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25.07.2013

Wahrnehmung des Klimawandels Klimawandel findet auch in unseren Köpfen statt. Jeder von uns nimmt das Thema je nach persönlichem oder beruflichem Hintergrund unterschiedlich wahr.

Klimawandel und Konsumverhalten

In den Debatten über die Begrenzung der Folgen des Klimawandels hat das Klimaschutzziel, die mittlere globale Erwärmung auf maximal 2°C zu begrenzen, eine hohe Bedeutung. Für das Erreichen dieses Ziels sind erhebliche Reduzierungen der Treibhausgasemissionen und damit auch grundlegende Veränderungen der heutigen Konsum- und Produktionsmuster erforderlich. Auch mit aus diesen Überlegungen heraus sind private Konsumenten und Konsumentinnen in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Umweltschutz- und Klimaschutzpolitik geraten. Sie werden als bedeutsame ‚change agents‘ für klimawandelbezogene Verhaltensänderungen in Richtung auf einen nachhaltigeren Konsum betrachtet und von der Umweltpolitik als solche auch zunehmend adressiert (siehe z. B. [1] Barr et al. 2011b).

© Robert Kneschke/fotolia

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Gleichwohl werden Fragen über die Verantwortung und speziell klimawandelbezogene Veränderungsbereitschaft privater Konsumenten und Konsumentinnen kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite sprechen Ergebnisse der Marktforschung insbesondere Mitte der 2000er Jahre für eine steigende Bedeutung der Klimarelevanz von Produkten und bei Konsumentscheidungen (siehe z.B. [2] BMU/UBA 2006, [3] GfK 2007). In eine ähnliche Richtung argumentieren die Debatten über die „Moralisierung der Märkte“ ([4] Adolf/Stehr 2011, [5] Stehr 2007), die von einem Wertewandel in der Gesellschaft ausgehen und daraus ebenfalls die Erwartung ableiten, dass die Bereitschaft steigt, sich klimafreundlicher und nachhaltiger zu verhalten ([6] WBGU 2011).

Diese Einschätzung kann sich einerseits auf eine Vielzahl repräsentativer empirischer Studien auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene stützen. Demnach nimmt ein vergleichsweise großer Teil der Befragten den Klimawandel als bedeutsames Problem wahr, beispielsweise 90% der Befragten beim Eurobarometer 2008 und 89% beim Eurobarometer 2011 (siehe z.B. [7] BMU/UBA 2010, [8] EU 2008, [9] EU 2011, [10] Prognos 2010, [11] Weber 2008), auch wenn langfristige Analysen auf globaler und regionaler Ebene Wellenbewegungen in dem Ausmaß der Problemwahrnehmung aufzeigen (siehe z.B. [12] Ratter et al. 2012). Bei den Befragten lässt sich darüber hinaus eine vergleichsweise hohe klimawandelbezogene Verhaltensbereitschaft erkennen. So gaben 61% der Befragten des Eurobarometers 2008 und 53% der Befragten des Eurobarometers 2011 an, persönlich aktiv bei der Bekämpfung des Klimawandels gewesen zu sein ([8] EU 2008, [9] EU 2011), 85% der Befragten einer deutschen Studie im Auftrag des Bundesverbands Verbraucherberatung äußerten ihre Bereitschaft, sich für den Klimaschutz zu engagieren ([10] Prognos 2010). Andererseits zeigt sich ein deutliches Spannungsverhältnis zwischen klimawandelbezogener Problemwahrnehmung, der geäußerten Verhaltensbereitschaft und dem tatsächlichen Verhalten, das direkt an die langjährigen Debatten über die Diskrepanzen zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten allgemein anschließt (siehe z.B. [13] Diekmann/Preisendörfer 1992). Nach einigen neueren Untersuchungen kann die Klimawandeldebatte diese Kluft sogar noch verschärfen und bei privaten Konsumenten und Konsumentinnen dazu beitragen, die Verantwortung für klimaschutzbezogenes Verhalten abzuwehren ([14] Barr et al. 2011). Dies wird mit darauf zurückgeführt, dass die Debatten über den Klimawandel anders als über Umwelt- und Naturschutz allgemein erheblich von Skepsis, Unsicherheiten und mangelndem Vertrauen in Informationsquellen geprägt sind. Diese Wahrnehmung der Klimawandeldebatte kann somit sogar als spezielle Barriere für klimawandelbezogene Verhaltensänderungen betrachtet werden ([14] Barr et al. 2011, [15] Lorenzoni et al. 2007, [16] Semenza et al. 2008).

Im Kontext der Forschung zu nachhaltigem Konsum wird die Verhaltensrelevanz von (umwelt- und klimawandelbezogenen) Wissen, Einstellungen und Werten insgesamt ebenfalls als eher gering eingeschätzt (siehe z.B. [17] Jackson 2006, [18] Reisch/Hagen 2011, [19] Weller 2008). Vielmehr wird auf die Komplexität von Konsummustern hingewiesen, die von weiteren Einflussfaktoren wie z.B. strukturelle Gegebenheiten, ökonomische Rahmenbedingungen, Lebens- und Konsumstile, die Einbindung in komplexe Versorgungssysteme und Entscheidungskontexte gestaltet werden (siehe z.B. [20] Brand 2009, [21] Ernst 2010, [22] Southerton et al. 2004). Nachhaltiges Konsumverhalten lässt sich nach Reisch und Hagen als besonders voraussetzungsvoll und zeitaufwändig verstehen, da es u.a. zusätzliche Informationen und Veränderungen in den eingespielten Routinen erfordert ([18] Reisch/Hagen 2011). Zudem wurde eine Reihe von Hemmnissen identifiziert, die die Umsetzung nachhaltigen Konsums im Alltag erschweren und behindern (siehe z.B. [14] Barr et al. 2011, [15] Lorenzoni et al. 2007, [16] Semenza et al. 2008). In einer europäischen Untersuchung zum Energiesparen wurden beispielsweise als konkrete Umsetzungsbarrieren bestimmt: fehlende individuelle Wahlmöglichkeiten, mangelndes Vertrauen, persönlicher Geschmack, fehlende Gelegenheitsstrukturen, als gering wahrgenommene Wirksamkeit von Einsparmaßnahmen sowie Mangel an Komfort und Geld ([23] Reusswig et al. 2012).

Abschließend ist festzuhalten, dass die Bedeutung umwelt- und klimabezogenen Wissens und entsprechender Einstellungen für tatsächliche und gezielte Veränderungen des Konsumverhaltens überwiegend, wenn auch nicht übereinstimmend skeptisch gesehen wird.

Studie zur Wahrnehmung des Klimawandels im Nordwesten

Der Forschungsverbund „nordwest2050 - Perspektiven für klimaangepasste Innovationsprozesse in der Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten“ (1) zielt auf die Entwicklung einer Klimaanpassungsstrategie für die Nordwestregion. Einbezogen in diesen Forschungsverbund sind als Praxispartner insbesondere Akteure aus Wirtschaft und Politik (www.nordwest2050.de). Um die Perspektive von Konsumenten und Konsumentinnen mit einzubringen, wurden 2009 und 2010 im Rahmen eines einjährigen Teilprojekts in diesem Forschungsverbund die Wahrnehmung des Klimawandels im Alltag, ihre Bedeutung für das Konsumverhalten und die Vulnerabilität der Region untersucht (2).

(1) Finanziert durch das BMBF-Förderprogramm „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (KLIMZUG)“

(2) Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden gemeinsam mit Hanna Krapf, Karin Fischer und Dr. Diana Wehlau erarbeitet


Im Fokus dieser Untersuchung stand die klimawandelbezogene Problemwahrnehmung in der Nordwestregion in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, ihr Erkenntnisinteresse richtete sich nicht auf für die Region repräsentative und verallgemeinerbare Aussagen, sondern auf das Erkennen unterschiedlicher subjektiver Sichtweisen und Perspektiven. Daher war sie als qualitative Studie angelegt, methodisch basierte sie auf Fokusgruppen und Einzelinterviews. Die Methode Fokusgruppe wurde ausgewählt, weil sie durch eine alltagsnahe Gesprächssituation spontane Reaktionen und Äußerungen der Teilnehmenden fördert ([24] Broda 2006, [25] Flick 2007). Mit den Einzelinterviews, die sich insbesondere zur Untersuchung subjektiver Bedeutungen gesellschaftlicher Problemstellungen eignen ([26] Mayring 2010), wurden die Ergebnisse der Fokusgruppen überprüft und vertieft. Beide Methoden haben sich auch in ihrer Kombination für umwelt- und klimawandelbezogene Fragestellungen bewährt (siehe z.B. [14] Barr et al. 2011, [27] Henseling et al. 2006, [11] Weber 2008).

An der empirischen Erhebung waren drei verschiedene gesellschaftliche Gruppen beteiligt, um mögliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen erkennen zu können. Entscheidend für ihre Auswahl waren plausibilisierte Annahmen über ihre Umwelteinstellungen und ihre Einkommenssituation, beide gelten als Einflussfaktoren für nachhaltiges Konsumverhalten (siehe z.B. [28] Defila et al. 2011, [29] Krapf/Wehlau 2009, [23] Reusswig et al. 2012, [30] UNEP 2010). Die erste Gruppe setzte sich aus Mitgliedern in einem Umweltverband zusammen, bei denen eine überdurchschnittlich hohe Umweltorientierung angenommen wurde. Die zweite Untersuchungsgruppe wurde aus Alleinerziehenden und Familien aus Stadtteilen mit hoher Armutsrate gebildet. Bei ihnen wurde davon ausgegangen, dass sie zu den einkommensschwachen Haushalten gehören. Bei der dritten Gruppe, der so genannten Vergleichsgruppe, bestanden weder über die Umwelteinstellungen noch über die Einkommenssituation spezifische Vorannahmen. Die Kontaktaufnahme erfolgte über einen Chor und dessen soziales Umfeld. Insgesamt wurden sechs Fokusgruppen mit 39 Teilnehmenden und 12 Einzelinterviews durchgeführt. Die Auswertung der empirischen Daten erfolgte in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse ([26] Mayring 2010).

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der Studie zusammengefasst, eine ausführliche Darstellung findet sich in dem Abschlussbericht ([31] Weller et al. 2010).
 Abschlussbericht: "Untersuchung der Wahrnehmung des Klimawandels im Alltag und seiner Folgen für Konsumverhalten und Vulnerabilität in der Nord-west-Region. Ergebnisse einer explorativen Studie"

Klimawandel präsent im Alltag bei gleichzeitiger Verunsicherung über die Aussagekraft der subjektiven Wahrnehmung

Die Klimawandeldebatte ist im Alltag der Befragten präsent, dies zeigte sich beispielsweise daran, dass alle drei Untersuchungsgruppen eine Vielzahl alltäglicher Beobachtungen über Umwelt- und Wetterveränderungen mit dem Klimawandel in Verbindung brachten, z.B. das Verwischen der Jahreszeiten oder Veränderungen in der Vegetation. Damit einher ging allerdings auch eine deutliche Unsicherheit, inwiefern diese Alltagserfahrungen tatsächlich auf den Klimawandel zurückgeführt werden können. Diese Ergebnisse schließen z.B. an Studien von Akerlof et al. an, die zu ähnlichen Ergebnissen über die Art der Alltagserfahrungen, die mit dem Klimawandel in verschiedenen Regionen der USA verbunden werden, sowie die Unsicherheit über ihre klimawandelbezogene Bedeutung kommen ([32] Akerlof et al. 2013).

In der Einordnung der Debatte über den Klimawandel waren allerdings Unterschiede zwischen den drei Gruppen zu erkennen: Die Mitglieder eines Umweltverbandes nahmen die Diskussion um die globale Erwärmung als eine Art Neuauflage im Diskurs um dringende Umweltprobleme wie zuvor Waldsterben oder die Risiken der Atomkraft wahr. Für die Familien mit erhöhtem Armutsrisiko und die ‚Vergleichsgruppe‘ bedeutete dagegen die Klimawandeldebatte eher ein eigenes bzw. ein neues Thema. Von einer kleinen Minderheit in diesen beiden Gruppen wurde darüber hinaus die Position der Klimawandelskeptiker vertreten und der anthropogene Klimawandel grundsätzlich bezweifelt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung zielgruppenspezifischer Kommunikations- und Informationsformen, die auch mögliche Unterschiede in der Rahmung der Klimawandeldebatte aufgreift.

Bedrohung des sozialen Zusammenhalts als indirekte Folge des Klimawandels

Ein bemerkenswertes Ergebnis mit Relevanz für die Vulnerabilität der Region stellen die Befürchtungen der Befragten über zunehmende soziale Disparitäten und Schwächung des sozialen Zusammenhalts als indirekte Folge des Klimawandels dar. Mit Blick auf die angespannte Lage der öffentlichen Haushalte wurde zum einen die Gefahr gesehen, dass die Kosten für Klimaanpassung und Klimaschutz zu Lasten des Sozialetats gehen könnten. Zum anderen wurde angesichts weiter steigender Energiekosten eine Verschärfung der sozialen Ungleichheit befürchtet, die zu Energiearmut einkommensschwacher Gruppe verbunden mit dem zunehmenden Risiko ihrer sozialen Ausgrenzung führen könne. Diese Thematik wurde insbesondere in den beiden Gruppen, der Mitglieder im Umweltverband und der von Armut betroffenen Familien, in die Diskussion eingebracht, die ‚Vergleichsgruppe‘ thematisierte diese Fragen nicht. Dies Ergebnis verweist auf die Notwendigkeit, bei der Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien dezidiert auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit mit zu berücksichtigen.

Folgen der Klimawandeldebatte für das Konsumverhalten

Zur Bedeutung der Klimawandeldebatte als Impulsgeber für Veränderungen des individuellen Konsumverhaltens lassen sich folgende übergreifende Ergebnisse zusammenfassen.

Kaum neue Impulse durch den Klimawandel für im Alltag umsetzbare Veränderungen

Zu der Frage, inwiefern sich der Klimawandel aus Sicht der Befragten auf das alltägliche Konsumverhalten auswirkt, ließen sich in den drei Untersuchungsgruppen unterschiedliche Reaktionen erkennen. Keine grundlegenden Verhaltensänderungen bewirkte der Klimawandel bei den Umweltverbandsmitgliedern. Diese Gruppe sah sich durch die Klimawandeldebatte vielmehr in ihrem nach eigenen Maßstäben ohnehin schon stark ökologisch ausgerichtetem Verhalten bestätigt und bekräftigt, sie entnahm ihr keine neuen Hinweise für weitere Veränderungen.

Die Gruppe der Familien mit erhöhtem Armutsrisiko berichtete ebenfalls nicht von explizit klimawandelbezogenen Veränderungen im Konsumverhalten. Hier wurde klimafreundliches Verhalten insbesondere mit (Mehr-)Kosten und Zusatzbelastungen assoziiert und wegen enger finanzieller und zeitlicher Spielräume als kaum umsetzbar betrachtet. Gleichwohl orientierten sich auch einige Personen aus dieser Gruppe in ihrem Alltag an ökologischen Aspekten. Dies führten sie – ähnlich wie die Umweltverbandsmitglieder – nicht speziell auf den Klimawandel, sondern auf Umweltschutzgründe allgemein zurück. Darüber hinaus wurde in dieser Gruppe aus finanziellen Erwägungen insbesondere der Verbrauch direkter Ressourcen wie z. B. Heizenergie oder Strom gezielt reduziert.

Nur Personen aus der ‚Vergleichsgruppe‘ führten die Klimawandeldebatte explizit als Impuls für klimafreundlichere Veränderungen ihres Verhaltens an und begründeten damit einzelne Modifikationen ihrer alltäglichen Konsumentscheidungen. Für mehrere Teilnehmende aus dieser Gruppe hat die Intensivierung der Klimawandeldebatte dazu geführt, mehr über das eigene Konsumverhalten nachzudenken und in einigen Bereichen bewusster mit den Ressourcen umzugehen bzw. sich einzuschränken. Allerdings wurde die Umsetzung ressourcenschonenderer Verhaltensformen an die Voraussetzung geknüpft, dass damit keine größeren Komfortverluste verbunden sind.

Erhebliche Barrieren für die Umsetzung klimafreundlichen Konsums im Alltag führen zu einem ‚Weiter so, aber mit schlechtem Gewissen‘

Die empirischen Ergebnisse unterstreichen, dass die Diskussionen über den Klimawandel bei den Befragten durchaus die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen vor Augen führen. So wurde in allen drei Gruppen eine hohe Bereitschaft für klimafreundliches Verhalten geäußert. Diese Einsicht allein bietet aber nur sehr begrenzt neue Impulse für Veränderungen, die sich im Alltag umsetzen lassen. Die Befragungsergebnisse illustrieren vielmehr, dass der alltäglichen Umsetzung eine Vielzahl an Hemmnissen im Wege steht. In den Fokusgruppen und Interviews wurden insbesondere die Überforderung und der Zusatzaufwand klimaverträglichen Konsumverhaltens, die Verunsicherung über die zur Verfügung stehenden Informationen, die mangelnde Transparenz über die ökologischen und sozialen Eigenschaften von Produkten sowie strukturelle Defizite als wirkmächtige Umsetzungsbarrieren benannt. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von Zielkonflikten deutlich, die die Entscheidungs- und Abwägungsprozesse im Alltag zugunsten ökologischer Alternativen erschweren. Im Ergebnis tragen diese Hemmnisse zu einem ‚Weiter so‘ in den alltäglichen Konsumroutinen bei, werden allerdings zum Teil von einem latent schlechten Gewissen begleitet. Als übergreifende Konsequenz forderten daher die Teilnehmenden der Studie, dass klimafreundliches Konsumverhalten leicht gemacht und durch entsprechende Rahmenbedingungen und Infrastrukturen unterstützt werden sollte.

Resümee

Die Ergebnisse unserer Untersuchung bestätigen für die drei Untersuchungsgruppen die Aussagen anderer Studien, dass der Klimawandel als Problem wahr genommen wird und mit einer hohen Verhaltensbereitschaft verbunden ist. Allerdings bewirkt er entgegen anders lautender Erwartungen im Kontext der Klimawandeldebatte auch in den drei Gruppen, die an der Untersuchung beteiligt waren, kaum Impulse für Veränderungen des Konsumverhaltens. Dies schließt an die Ergebnisse anderer empirischer Studien über die geringe Verhaltensrelevanz der Klimawandeldebatte an. Zugleich zeigten sich aber auch Unterschiede zwischen den drei Untersuchungsgruppen sowohl in der Art, wie die Fortführung der eingespielten Konsummuster begründet wird, als auch darin, dass in einer Gruppe Hinweise für punktuelle klimawandelinduzierte Veränderungen zu erkennen waren. Daran schließt sich als weiterführende Frage an, inwiefern sich weitere Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Umgang mit dem Klimawandel und Klimaschutzanforderungen im Alltag erkennen lassen.

Darüber hinaus illustrieren die Ergebnisse unserer Studie, dass der Anspruch, Umwelt- und Klimaschutzaspekte in die stark routinisierten individuellen Alltagsentscheidungen einzubeziehen, bislang vielfach eine Überforderung darstellt. Der Alltag erfordert bereits ein so hohes Maß an Organisation, die zeitlichen wie finanziellen Ressourcen sind insbesondere bei Familien mit erhöhtem Armutsrisiko so knapp, dass zusätzliche Anforderungen nur schwer in den Alltag integriert werden können. Klimafreundlicher Konsum scheitert somit weniger an einem Mangel an Klimabewusstsein oder Einstellungen in der Bevölkerung, sondern vielmehr an Alltagsroutinen, Überforderung, Zielkonflikten und strukturellen Hemmnissen. Der Erfolg politischer Maßnahmen und Strategien zur Förderung klimafreundlichen Konsumverhaltens hängt daher wesentlich mit von ihrer Anschlussfähigkeit an die Lebensrealitäten der Einzelnen ab. Dies setzt fundiertes Wissen über den Alltag und über die Anforderungen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen an Rahmenbedingungen für klimafreundliches Handeln voraus.

Autorin
Autoren Weller
Prof. Dr. Ines Weller
artec | Forschungszentrum Nachhaltigkeit, Zentrum Gender Studies (ZGS) der
Universität Bremen
Quellen