Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007 und des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger.

IPCC Klimaänderung 2007 Synthesebericht

IPCC Klimaänderung 2007 Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger


A.

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Abfackeln

Das Verbrennen von brennbaren Abgasen und flüchtigen Flüssigkeiten in der Außenluft über einen Kamin an Ölquellen oder Ölbohranlagen sowie in Raffinerien, Chemiefabriken oder Deponien.

Abfluss

Der Anteil von Niederschlägen, der weder verdunstet noch von Pflanzen transpiriert wird, sondern durch den Boden oder über die Bodenoberfläche fließt und in Wasserkörper zurückkehrt.

Abrupte Klimaänderung

Die Nicht-Linearität des Klimasystems kann zu abrupter Klimaänderung führen, manchmal auch schnelle Klimaänderung, abrupte Ereignisse oder sogar Überraschungen genannt. Der Begriff abrupt bezieht sich oft darauf, dass etwas schneller abläuft als mit der für den verantwortlichen Antrieb typischen Geschwindigkeit. Es müssen jedoch nicht alle abrupten Klimaänderungen äußerlich angetrieben sein. Einige der als möglich angesehenen abrupten Ereignisse schließen eine dramatische Umorganisation der thermohalinen Zirkulation, eine schnelle Gletscherschmelze, massives Abschmelzen von Permafrost oder Anstiege in der Bodenatmung mit ein, was zu schnellen Änderungen im Kohlenstoffkreislauf führen würde. Andere können als Folge eines starken, sich schnell verändernden Antriebs eines nicht-linearen Systems wahrlich unerwartet auftreten.

Absorption, Streuung und Emission von Strahlung

Elektromagnetische Strahlung kann mit Materie, sei sie in Form von Atomen und Molekülen eines Gases (z.B. die Gase in der Atmosphäre) oder in Form von partikulärer Materie, fest oder flüssig (z.B. Aerosole), auf vielfältige Weise wechselwirken. Materie selbst emittiert Strahlung gemäß ihrer Zusammensetzung und Temperatur. Strahlung kann durch Materie absorbiert werden, wodurch die absorbierte Energie übertragen oder re-emittiert werden kann. Schließlich kann Strahlung als Folge ihrer Wechselwirkung mit Materie auch von ihrer ursprünglichen Bahn abgelenkt (gestreut) werden.

Activities Implemented Jointly (AIJ)

Pilotphase für Joint Implementation, wie in Artikel 4.2(a) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) definiert, die Projektaktivitäten zwischen Industrienationen (und ihren Unternehmen) sowie zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern (und deren Unternehmen) gestattet. AIJ soll es den Parteien der UNFCCC ermöglichen, Erfahrungen in gemeinsam umgesetzten Projekten zu sammeln. Es gibt keine Anerkennung für AIJ während der Pilotphase. Eine Entscheidung hängt von der Zukunft der AIJ-Projekte ab und davon, wie sie in Beziehung zu den Kyoto-Mechanismen stehen. Als eine einfache Form von handelbaren Zertifikaten stellen AIJ und andere marktkonforme Systeme potenzielle Mechanismen zur Anregung zusätzlicher Ressourcenflüsse für die Emissionsminderung dar. Siehe auch Clean Development Mechanism und Emissionshandel.

Aerosole

Feste oder flüssige Partikel in der Luft mit einer typischen Grösse zwischen 0,01 und 10 μm, die mindestens ein paar Stunden in der Atmosphäre bleiben. Aerosole können entweder natürlichen oder anthropogenen Ursprungs sein. Sie können das Klima auf verschiedene Arten beeinflussen: Direkt durch Streuung und Absorption der Strahlung, und indirekt als Kondensationskerne für die Wolkenbildung oder durch die Veränderung der optischen Eigenschaften und der Lebensdauer von Wolken.

Aggregierte Auswirkungen

Die gesamten, über Sektoren und/oder Regionen integrierten Auswirkungen. Für die Aggregation von Auswirkungen benötigt man Kenntnisse (oder Annahmen) über die relativen Bedeutungen von Auswirkungen in verschiedenen Sektoren und Regionen. Ein Maß für aggregierte Auswirkungen wäre z.B. die Gesamtzahl an betroffenen Menschen oder die wirtschaftlichen Gesamtkosten.

Akklimatisierung

Die physiologische Anpassung an klimatische Schwankungen.

Albedo

Der Anteil der Sonnenstrahlung, der an einer Oberfläche oder an einem Körper reflektiert wird, oft in Prozent angegeben. Schneebedeckte Oberflächen haben eine hohe Albedo; die Albedo von Böden reicht von hoch bis niedrig; pflanzenbedeckte Oberflächen und Ozeane haben eine niedrige Albedo. Die Albedo der Erde variiert hauptsächlich wegen unterschiedlicher Bewölkung, Schnee-, Eis- oder Laubbedeckung und Landnutzungsänderungen.

Albedo-Rückkopplung

Eine Klimarückkopplung mit Veränderungen in der Albedo der Erde. Sie bezieht sich normalerweise auf Veränderungen in der Kryosphäre, deren Albedo viel höher (~0,8) als die durchschnittliche planetare Albedo (~0,3) ist. Man erwartet, dass die Kryosphäre unter einem sich erwärmendem Klima schrumpfen, die Gesamtalbedo der Erde abnehmen und mehr Sonnenenergie absorbiert würde, wodurch die Erde noch weiter erwärmt würde.

Algenblüte

Explosive Vermehrung von Algen in einem See, Fluss oder Ozean.

Allgemeines Zirkulationsmodell (GCM)

Siehe Klimamodell.

Alpin

Die biogeographische Zone aus Hängen über der Baumgrenze, die durch die Anwesenheit von rosettenbildenden krautigen Pflanzen und niedrigen, langsam wachsenden buschigen Gehölzen charakterisiert ist.

Annex I-Länder

Die Gruppe von Ländern, die im Anhang I (wie 1998 ergänzt) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) aufgeführt ist und alle OECD-Staaten des Jahres 1990 sowie Transformationsländer umfasst. In Artikel 4.2(a) und 4.2(b) der Konvention verpflichten sich die Annex I-Länder ausdrücklich, bis zum Jahr 2000 individuell oder gemeinsam zum Niveau ihrer Treibhausgasemissionen von 1990 zurückzukehren. Die anderen Länder werden automatisch als Nicht-Annex I-Länder bezeichnet. Eine Liste der Annex I-Länder ist unter http://unfccc.int zu finden.

Annex II-Länder

Die Gruppe von Ländern, die im Anhang II des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) aufgeführt ist und alle OECD-Staaten des Jahres 1990 umfasst. In Artikel 4.2(g) der Konvention wird von diesen Ländern erwartet, dass sie finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um Entwicklungsländern bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu unterstützen, wie z.B. bei der Erstellung der nationalen Berichte. Annex II-Länder sollen auch den Transfer umwelterträglicher Technologien in Entwicklungsländer fördern. Eine Liste der Annex II-Länder ist unter http://unfccc.int zu finden.

Annex B-Länder

Gruppe von Ländern, die im Anhang B des Kyoto-Protokolls aufgeführt sind und die sich über ein Ziel ihrer Treibhausgasemissionen geeinigt haben, inklusive aller Annex I-Länder (wie 1998 ergänzt) außer der Türkei und Weißrussland. Eine Liste der Annex I-Länder ist unter http://unfccc.int zu finden. Siehe Kyoto-Protokoll.

Annular Modes

Bevorzugte Änderungsmuster der atmosphärischen Zirkulation, welche den Änderungen der zonal gemittelten Westströmung in den mittleren Breiten entspricht. Der Northern Annular Mode ist stark mit der Nordatlantischen Oszillation korreliert. Der „Southern Annular Mode“ tritt in der Südhemisphäre auf. Die Veränderungen der Westströmung in den mittleren Breiten ist auch als „zonale Strömungsschwingung“ bekannt und durch einen „zonalen Index“ definiert.

Anpassung

Initiativen und Maßnahmen, um die Empfindlichkeit natürlicher und menschlicher Systeme gegenüber tatsächlichen oder erwarteten Auswirkungen der Klimaänderung zu verringern. Es können verschiedene Arten von Anpassungen unterschieden werden, darunter vorausschauende und reaktive, private und öffentliche, autonome und geplante Anpassung. Beispiele sind unter anderem die Erhöhung von Fluss- und Küstendeichen, der Einsatz von Pflanzen, die besser mit Temperaturschocks umgehen können, anstelle von empfindlichen, usw.

Anpassungsfähigkeit

Die Gesamtheit der Fähigkeiten, Ressourcen und Institutionen eines Landes oder einer Region, um wirksame Maßnahmen zur Anpassung umzusetzen.

Anpassungskosten

Kosten der Planung, Vorbereitung, Ermöglichung und Umsetzung von Anpassungsmassnahmen, einschließlich Transitionskosten.

Anpassungsvorteile

Die vermiedenen Schadenskosten oder die anfallenden Gewinne als Folge der Verabschiedung und Umsetzung von Anpassungsmassnahmen.

Antriebe

Siehe Äußere Antriebe.

Anthropogen

Vom Menschen verursacht oder produzierte.

Anthropogene Emissionen

Emissionen von Treibhausgasen, deren Vorläufern und Aerosolen, die mit menschlichen Aktivitäten in Verbindung stehen. Hierzu zählen die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Rodung, Landnutzungsänderungen, Viehherden, Düngung usw.

Aquakultur

Gelenkte Kultivierung von Wasserpflanzen oder -tieren, wie Lachs oder Schalentiere, die zu Ertragszwecken gehalten werden.

Äquivalente Kohlendioxid (CO₂)-Konzentration

Die Konzentration von Kohlendioxid, welche den gleichen Strahlungsantrieb wie eine vorgegebene Mischung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen verursachen würde. Siehe auch CO2-Äquivalent.

Arides Gebiet

Ein Landgebiet mit geringem Niederschlag, wobei gering im Allgemeinen als <250 mm Niederschlag pro Jahr angesehen wird.

Atmosphäre

Die gasförmige Hülle, welche die Erde umgibt. Die trockene Atmosphäre besteht fast gänzlich aus Stickstoff (78,1 Volumenprozent) und Sauerstoff (20,9 Volumenprozent), zusammen mit einer Anzahl von Spurengasen wie Argon (0,93 Volumenprozent), Helium und strahlungsaktiven Treibhausgasen wie Kohlendioxid (0,035 Volumenprozent) und Ozon. Zusätzlich enthält die Atmosphäre das Treibhausgas Wasserdampf, dessen Menge stark schwankt, aber typischerweise bei 1 Volumenprozent liegt. Die Atmosphäre enthält auch Wolken und Aerosole.

Aufforstung

Pflanzung von Wäldern auf Land, das mindestens 50 Jahre lang nicht bewaldet war. Eine Diskussion der Begriffe Wald und verwandter Begriffe wie (Wieder-)Aufforstung und Entwaldung ist im IPCC-Bericht zur Landnutzung, Landnutzungsänderung und Waldwirtschaft (Land Use, Land-Use Change and Forestry, IPCC, 2000) gegeben. Siehe auch den IPCC-Bericht “Definitions and Methodological Options to Inventory Emissions from Direct Human-induced Degradation of Forests and Devegetation of Other Vegetation Types” (IPCC, 2003).

Land Use, Land-Use Change and Forestry, IPCC, 2000

Definitions and Methodological Options to Inventory Emissions from Direct Human-induced Degradation of Forests and Devegetation of Other Vegetation Types, IPCC 2003


Aufnahme

Die Zugabe eines Stoffes von Belang in einen Speicher. Die Aufnahme von kohlenstoffhaltigen Substanzen, insbesondere Kohlendioxid, wird im Englischen oft mit (Kohlenstoff-)Sequestration bezeichnet.

Äußere Antriebe

Äußere Antriebe beziehen sich auf eine Antriebskraft ausserhalb des Klimasystems, die eine Änderung im Klimasystem verursacht. Vulkanausbrüche, solare Schwankungen sowie anthropogene Änderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und Landnutzungsänderungen sind äussere Antriebe.

Aussterben

Das vollständige Verschwinden einer ganzen biologischen Art.

Auswirkungen von Klimaänderungen

Die Auswirkungen der Klimaänderung auf natürliche und menschliche Systeme. Je nach Einbeziehung von Anpassung, kann zwischen potenziellen und verbleibenden Auswirkungen unterschieden werden:

* Potenzielle Auswirkungen: alle Auswirkungen, die bei einer projizierten Klimaänderung auftreten könnten, ohne Berücksichtigung von Anpassung.
* Verbleibende Auswirkungen: die Auswirkungen einer Klimaänderung, die nach Anpassung noch auftreten würden.

Siehe auch aggregierte Auswirkungen; wirtschaftliche Auswirkungen und nichtwirtschaftliche Auswirkungen.