Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

B.

A C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

Barwert (Present value)

Zu unterschiedlichen Daten in der Zukunft verfügbare Geldbeträge werden auf einen derzeitigen Wert zurückdiskontiert und summiert, um den derzeitigen Wert einer Reihe zukünftiger Kapitalflüsse zu erhalten. {WGIII} Siehe auch Diskontierung

Basis/Referenz (Baseline/reference)

Die Basis (auch: Referenz) bezeichnet den Zustand, gegenüber welchem eine Änderung gemessen wird. Ein Basiszeitraum bezeichnet den Zeitraum, gegenüber dem Anomalien berechnet werden. Im Kontext von Transformationspfaden bezieht sich der Begriff Basisszenarien auf Szenarien, die auf der Annahme beruhen, dass keine Politikinstrumente oder Maßnahmen zur Minderung über die bereits bestehenden und/oder erlassenen bzw. beschlossenen hinaus umgesetzt werden. Basisszenarien sollen keine Zukunftsprognosen darstellen, sondern vielmehr kontrafaktische Konstrukte, die dazu dienen können, das Emissionsniveau zu veranschaulichen, das ohne weitere politische Anstrengungen erreicht werden würde. Typischerweise werden Basisszenarien dann mit Klimaschutzszenarien verglichen, die zur Erreichung verschiedener Ziele für Treibhausgasemissionen, atmosphärische Konzentrationen oder Temperaturveränderungen erstellt werden. Der Begriff Basisszenario wird synonym verwendet mit Referenzszenario und No-Policy-Szenario. In der Literatur wird der Begriff vielfach auch als Synonym für den Begriff Business-as-Usual (BAU)-Szenario verwendet, obwohl der Begriff BAU nicht mehr favorisiert wird, da die Idee eines Business-as-Usual in sich über ein Jahrhundert erstreckenden sozioökonomischen Projektionen schwer nachzuvollziehen ist. {WGI, II, III} Die Basiskonzentration eines Spurengases ist jene, die an einem Standort gemessen wurde, der nicht durch lokale anthropogene Emissionen beeinflusst ist. {WGI, II} Siehe auch Emissionsszenario, Repräsentative Konzentrationspfade (RCP) und SRES-Szenarien.

Bassin/Becken

Das Wassereinzugsgebiet von Bächen, Flüssen oder Seen.

Baumgrenze (Tree line)

Die obere Grenze des Baumwachstums in Bergen oder hohen Breiten. Sie liegt höher bzw. weiter polwärts als die Waldgrenze. {WGII}

Baumringe

In einem Querschnitt eines Stammes einer Holzpflanze sichtbare konzentrische Ringe von Sekundärholz. Der Unterschied zwischen dem dichten kleinzelligen Holz der einen Saison und dem breitzelligen frühen Holz des darauffolgenden Frühjahrs erlaubt die Bestimmung des Alters des Baumes. Die Breite und Dichte der Ringe kann mit Klimaparametern wie Temperatur und Niederschlag in Verbindung gebracht werden.

Belege (Evidence)

Information, die den Grad der Richtigkeit bzw. Gültigkeit einer Annahme oder einer Aussage erkennen lässt. In diesem Bericht reflektiert das Maß an Belegen die Menge der wissenschaftlichen/technischen Informationen, die den Ergebnissen der Hauptautoren zugrunde liegen. {WGIII} Siehe auch Übereinstimmung, Vertrauen, Wahrscheinlichkeit und Unsicherheit.

Benachteiligte Gemeinschaften (Disadvantaged populations)

Sektoren einer Gesellschaft, die marginalisiert sind, oft aufgrund eines geringen sozioökonomischen Status, geringen Einkommens, fehlenden Zugangs zur Grundversorgung z. B. im Bereich Gesundheit oder Bildung, Machtverhältnissen, Rasse, Geschlecht, Religion oder schlechten Zugangs zu Kommunikationstechnologien. {WGII}

Benchmark (Bezugsgrösse für den Leistungsvergleich)

Eine messbare Variable, die als Bezugsgrösse oder Referenzwert bei der Leistungsbeurteilung einer Organisation herangezogen wird. Benchmarks können aus internationaler Erfahrung, aus anderen Organisationen oder aus rechtlichen Anforderungen bezogen werden und werden oft genutzt, um Leistungsänderungen über die Zeit abzuschätzen.

Berechenbares Allgemeines Gleichgewichtsmodell (Computable General Equilibrium (CGE) Model)

Siehe Modelle.

Bewältigung (Coping)

Der Einsatz verfügbarer Fähigkeiten, Ressourcen und Möglichkeiten, um negativen Bedingungen zu begegnen, sie zu managen und zu überwinden, mit dem Ziel, kurz- bis mittelfristig eine grundlegende Funktionsfähigkeit von Menschen, Institutionen, Organisationen und Systemen herzustellen. {WGII}

Bewertung der Auswirkungen von Klimaänderungen

Der Vorgang der Identifizierung und monetärer und/oder nicht-monetärer Bewertung der Auswirkungen von Klimaänderung auf natürliche und menschliche Systeme.

Bioenergie (Bioenergy)

Energie, die aus jeglicher Form von Biomasse gewonnen wird, wie z. B. rezent lebenden Organismen oder deren metabolischen Nebenprodukten. {WGIII}

Bioenergie mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (Bioenergy and Carbon Dioxide Capture and Storage, BECCS)

Die Anwendung der Technologie zur Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (CCS) in Bioenergie-Umwandlungsprozessen. Abhängig von den gesamten Lebenszyklusemissionen, einschließlich der gesamten marginalen Folgeauswirkungen (aus indirekter Landnutzungsänderung (iLUC) und anderen Prozessen), besitzt BECCS das Potenzial für eine Netto-Kohlendioxidentnahme aus der Atmosphäre. {WGIII} Siehe auch Sequestrierung.

Biofilter

Biofilter sind Filter, die biologisches Material nutzen, um Verunreinigungen zu filtern oder chemisch umzuwandeln, wie z.B. die Oxidation von Methan zu CO2.

Biokraftstoff (Biofuel)

Ein Treibstoff, im Allgemeinen in flüssiger Form, der aus organischem Material oder brennbaren Pflanzenölen hergestellt wird. Beispiele für Biokraftstoffe sind Alkohol (Bioethanol), Schwarzlauge aus der Papierherstellung und Sojaöl.

Biokraftstoff der ersten Generation wird mittels ausgereifter Umwandlungstechnologie aus Getreide, Ölsamen, tierischen Fetten und Abfallpflanzenölen gewonnen.

Biokraftstoff der zweiten Generation: Die zweite Generation der Biokraftstoffe nutzt nicht-traditionelle biochemische und thermochemische Umwandlungsprozesse und Rohstoffe, die zumeist aus lignozellulären Anteilen, beispielsweise aus land- und forstwirtschaftlichen Rückständen, städtischem Festabfall etc. bestehen

Biokraftstoff der dritten Generation würde aus Rohstoffen wie Algen und Energiepflanzen durch hochmoderne Prozesse, die sich noch in der Entwicklung befinden, gewonnen. Diese Biokraftstoffe der zweiten und dritten Generation, die in neuen Verfahren hergestellt werden, werden auch als Biokraftstoffe der nächsten Generation oder neue Biokraftstoffe bzw. neue Biokraftstofftechnologien bezeichnet. {WGIII}

Biologische Vielfalt (Biodiversity)

Die Variabilität aller Lebewesen aus terrestrischen, marinen und anderen Ökosystemen. Biologische Vielfalt beinhaltet die Variabilität auf genetischer, artenbezogener und ökosystemarer Ebene 4. {WGII, III}

Biom

Ein wesentliches und charakteristisches regionales Element der Biosphäre, das üblicherweise aus mehreren Ökosystemen (z.B. Wäldern, Flüssen, Teichen, Sümpfen innerhalb einer Region mit bestimmtem Klima), besteht. Biome sind durch typische Pflanzen- und Tiergemeinschaften charakterisiert.

Biomasse (Biomass)

Die gesamte Masse an lebenden Organismen in einem bestimmten Gebiet oder Volumen; totes Pflanzenmaterial kann als tote Biomasse mit eingeschlossen werden. {WGII, III}
Im Kontext dieses Berichts schließt Biomasse Produkte, Neben- und Abfallprodukte biologischen Ursprungs (pflanzliches oder tierisches Material) ein, ausgenommen in geologischen Formationen eingebettetes und in fossile Brennstoffe bzw. Torf umgewandeltes Material.

Traditionelle Biomasse: Traditionelle Biomasse bezieht sich auf die Biomasse – Brennholz, Holzkohle, landwirtschaftliche Rückstände und Tierdung –, die in sogenannten traditionellen Technologien wie offenem Feuer als Kochstelle, rustikalen Brenn- und Kleinindustrieöfen verwendet werden. Weit verbreitet in Entwicklungsländern, wo 2,6 Mrd. Menschen am offenen Holzfeuer kochen und hundert-tausende Kleinindustrien bestehen. Die Verwendung dieser traditionellen Technologien führt zu hohen Verschmutzungsniveaus und – unter bestimmten Umständen – zu Waldschädigung und Entwaldung. Weltweit gibt es viele erfolgreiche Initiativen, um traditionelle Biomasse durch Verwendung effektiver Herde und Öfen wirksamer und sauberer zu verbrennen. Diese letztere Verwertung traditioneller Biomasse ist nachhaltig und bietet große gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile für lokale Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern, insbesondere in ländlichen und randstädtischen Gegenden. {WGIII}

Moderne Biomasse: Biomasse, die in hocheffizienten Umwandlungssystemen verwendet wird. {WGIII}

Biosphäre (Biosphere)

Der Teil des Erdsystems, der alle Ökosysteme und lebenden Organismen in der Atmosphäre, auf dem Land (terrestrische Biosphäre) oder im Meer (marine Biosphäre) umfasst, einschließlich des daraus entstandenen toten, organischen Materials wie Bodenstreu, organischer Substanz im Boden und ozeanischem Detritus. {WGII}

Bodenfeuchte (Soil moisture)

Wasser, das in flüssiger oder gefrorener Form im Boden gespeichert ist. {WGI}

Bodentemperatur

Die Temperatur des Untergrunds nahe der Oberfläche (oft innerhalb der obersten 10 cm).

Bohrlochtemperatur

Bohrlochtemperaturen werden in Bohrlöchern in zig bis hunderten von Metern Tiefe im Erdinneren gemessen. Tiefenprofile der Bohrlochtemperatur werden im Allgemeinen genutzt, um daraus zeitliche Schwankungen der Oberflächentemperatur über Jahrhunderte hinweg abzuleiten.

Borealer Wald

Kiefern-, Tannen-, Fichten- und Lärchenwälder, die sich von der Ostküste Kanadas nach Westen hin bis nach Alaska und weiter von Sibirien nach Westen hin über ganz Russland in die europäische Ebene erstrecken.

Bottom-up-Modelle

Bottom-up-Modelle bilden die Wirklichkeit ab, indem sie Charakteristika bestimmter Aktivitäten und Abläufe aggregieren, wobei technologische, technische und kostentechnische Details mit einbezogen werden. Siehe auch Top-down-Modelle.

Brennstoffsubstitution

Im Allgemeinen der Einsatz von Brennstoff A anstelle von Brennstoff B. Im Rahmen von Klimaänderungsdiskussionen wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Brennstoff A einen niedrigeren Kohlenstoffgehalt als Brennstoff B hat, z.B. Erdgas statt Kohle.

Brennstoffzelle

Eine Brennstoffzelle erzeugt aus der kontrollierten elektrochemischen Reaktion zwischen Wasserstoff oder einem anderen Treibstoff und Sauerstoff auf direkte und kontinuierliche Art Strom. Mit Wasserstoff als Treibstoff emittiert sie lediglich Wasser und Wärme (kein Kohlendioxid), und die Wärme kann nutzbar gemacht werden. Siehe Kraft-Wärme-Kopplung.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) (Gross Domestic Product (GDP))

Die Summe des durch in- und ausländische Hersteller in einem Land oder einer geographischen Region für einen bestimmten Zeitraum, normalerweise ein Jahr, erzeugten Bruttomehrwerts (zu Einkaufspreisen) im Wirtschaftssystem, zuzüglich aller Steuern und abzüglich jeglicher Subventionen, die nicht im Wert der Produkte enthalten sind Es wird ohne Abzug für Wertverlust von hergestellten Gütern oder die Ausbeutung und Degradation von natürlichen Ressourcen berechnet {WGIII}