Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

E.

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Effektiver Strahlungsantrieb (Effective radiative forcing)

Siehe Strahlungsantrieb.

Einspeisetarif (Feed-in tariff (FIT))

Der Preis pro Strom- oder Wärmeeinheit, den ein Energieversorgungsunternehmen oder Strom-/Wärmedienstleister für dezentrale oder Erneuerbare Energie zahlen muss, die von anderen Erzeugern in das jeweilige Netz eingespeist wurde. Die Vergütungsrate wird von einer öffentlichen Behörde festgelegt. {WGIII}

(Fluss-)Einzugsgebiet/Bassin/Becken

Ein Gebiet, das Regenwasser sammelt und abführt.

Eisbohrkern (Ice core)

Ein aus einem Gletscher oder Eisschild gebohrter Zylinder aus Eis. {WGI}

Eiskappe

Eine kuppelförmige Eismasse, die normalerweise ein Hochland bedeckt, und die ein beträchtlich kleineres Ausmass hat als ein Eisschild.

Eisschild (Ice sheet)

Eine Landeismasse kontinentaler Größe, die dick genug ist, um den größten Teil des darunterliegenden Untergrundes zu bedecken, so dass ihre Form hauptsächlich durch ihre eigene Dynamik bestimmt ist (dem Eisstrom durch innere Verformung und/oder Gleiten auf dem Untergrund). Ein Eisschild fließt von einem hohen Zentraleisplateau mit geringer durchschnittlicher Oberflächenneigung nach außen. Die Ränder fallen normalerweise steiler ab, und das meiste Eis wird durch schnell fließende Eisströme oder Ausflussgletscher abgesetzt, in manchen Fällen ins Meer oder in Eisschelfe auf dem Meer. Es gibt nur zwei Eisschilde in der modernen Welt, einen auf Grönland und einen in der Antarktis. Während der Eiszeiten gab es weitere. {WGI, II}

Eiszeit

Eine Eiszeit oder glaziale Zeitspanne ist durch eine langfristige Reduktion der Temperatur des Erdklimas charakterisiert, die zu einem Wachstum der kontinentalen Eisschilder und der Gebirgsgletscher (Vergletscherung) führt.

El Niño-Southern Oscillation (ENSO)

Der Begriff El Niño wurde ursprünglich verwendet, um eine Warmwasserströmung zu beschreiben, die regelmäßig entlang der Küste von Ecuador und Peru fließt und dabei die lokale Fischerei stört. Inzwischen bezeichnet er eine beckenweite Erwärmung des tropischen Pazifiks östlich der Datumsgrenze. Dieses ozeanische Ereignis ist verbunden mit einer Fluktuation in einem tropischen und subtropischen Oberflächendrucksystem auf globaler Ebene, die Southern Oscillation genannt wird. Dieses gekoppelte Atmosphären-Ozean-Phänomen, das vorzugsweise in Zeiträumen von zwei bis ungefähr sieben Jahren auftritt, ist als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) bekannt. Es wird häufig über die Differenz der Oberflächendruckanomalie zwischen Tahiti und Darwin oder die Meeresoberflächentemperaturen im Zentral- und Ostäquatorial-Pazifik gemessen. Während eines ENSO-Ereignisses werden die vorherrschenden Passatwinde schwächer, wodurch der Auftrieb reduziert wird und Meeresströmungen geändert werden, so dass die Meeresoberflächentemperaturen ansteigen und die Passatwinde weiter geschwächt werden. Dieses Ereignis hat große Auswirkungen auf die Wind-, Meeresoberflächentemperatur- und Niederschlagsmuster im tropischen Pazifik. Durch globale Telekonnektionsprozesse hat es klimatische Auswirkungen in der gesamten Pazifikregion und in vielen anderen Teilen der Welt. Die kalte Phase von ENSO wird La Niña genannt Zu den entsprechenden Kennzahlen, siehe WGI, AR5, Box 2.5. {WGI, II}

Emissionen (Emissions)

Landwirtschaftliche Emissionen: Mit landwirtschaftlichen Systemen verbundene Emissionen – hauptsächlich Methan oder Lachgas. Dazu gehören Emissionen aus Gärungs- und Verdauungsprozessen von Nutzvieh, Gülleverwertung, Reisanbau, kontrolliertem Abbrennen von Savannen und Grasland und aus Böden. (IPCC, 2006)

Anthropogene Emissionen: Emissionen von Treibhausgasen, Aerosolen und deren Vorläufern, die durch Aktivitäten des Menschen entstehen. Zu diesen Aktivitäten zählen die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Entwaldung, Landnutzungsänderungen, Viehproduktion, Düngung, Abfallbewirtschaftung und industrielle Prozesse.
Direkte Emissionen: Emissionen, die in Folge von Aktivitäten innerhalb wohldefinierter Grenzen, z. B. einer Region, eines Wirtschaftssektors, eines Unternehmens oder Prozesses auftreten.

Graue Emissionen: Emissionen, die aus der Produktion und Lieferung von Gütern oder Leistungen oder durch den Aufbau einer Infrastruktur entstehen. Abhängig von den gewählten Systemgrenzen sind Upstream-Emissionen häufig eingeschlossen (z. B. Emissionen aus der Extraktion von Rohstoffen).

Indirekte Emissionen: Emissionen, die Folge von Aktivitäten innerhalb wohldefinierter Grenzen z. B. einer Region, eines Wirtschaftssektors, eines Unternehmens oder Prozesses sind, die jedoch außerhalb der spezifizierten Grenzen auftreten. Beispielsweise werden Emissionen als indirekt bezeichnet, wenn sie sich auf die Verwendung von Wärme beziehen, jedoch tatsächlich außerhalb der Grenzen des Wärmenutzers auftreten, oder sich auf die Elektrizitätsproduktion beziehen, jedoch tatsächlich außerhalb der Grenzen des Stromlieferungssektors auftreten.

Scope1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen: Emissionsverantwortung, wie im Treibhausgasprotokoll (Greenhouse Gas Protocol), einer Initiative des Privatsektors, definiert ‘Scope 1’ gibt direkte Treibhausgasemissionen aus Quellen an, die im Eigentum bzw. unter der Kontrolle des meldenden Unternehmens stehen. ‘Scope 2’ gibt indirekte Treibhausgasemissionen an, die mit der Produktion von durch das meldende Unternehmen eingekaufter Elektrizität, Wärme oder Dampf verbunden sind ‘Scope 3’ gibt alle sonstigen indirekten Emissionen an, d. h. Emissionen, die mit der Extraktion und Produktion der eingekauften Materialien, Treibstoffe und Leistungen verbunden sind, einschließlich des Transports in Fahrzeugen, die nicht im Besitz oder unter der Kontrolle des meldenden Unternehmens stehen, ausgelagerter Tätigkeiten, Abfallentsorgung etc. (WBCSD und WRI, 2004)

Territoriale Emissionen: Emissionen, die innerhalb der Hoheitsgebiete eines bestimmten Zuständigkeitsbereiches erfolgen. {WGIII}

Emissionen aus fossilen Brennstoffen (Fossil fuel emissions)

Emissionen von Treibhausgasen (insbesondere Kohlendioxid), anderen Spurengasen und Aerosolen aus der Verbrennung von Brennstoffen aus fossilen Kohlenstoffspeichern wie Öl, Gas und Kohle. {WGI}

Emissionsfaktor/-intensität (Emission factor/intensity)

Die Emissionen, die pro Einheit einer Aktivität ausgestoßen werden. {WGIII} Siehe auch Kohlenstoffintensität.

Emissionsobergrenze (Cap, on emissions)

Verpflichtende Beschränkung als Obergrenze für Emissionen innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes. Zum Beispiel verpflichtet das Kyoto-Protokoll zu Emissionsobergrenzen in einem festgelegten Zeitrahmen für anthropogene Treibhausgasemissionen der Annex-B-Länder. {WGIII}

Emissionshandel

Ein marktkonformer Ansatz zur Erreichung von klimapolitischen Zielen. Er besteht darin, dass diejenigen Parteien, die ihre Treibhausgasemissionen unter das vorgeschriebene Niveau senken, ihre überschüssigen Rechte auf Emissionen nutzen oder mit ihnen handeln können, um Emissionen aus einer anderen Quelle im In- oder Ausland auszugleichen. Im Allgemeinen kann der Handel innerhalb eines Unternehmens, eines Landes oder international erfolgen. Der zweite Sachstandsbericht des IPCC (IPCC SAR, Climate Change 1995) hat die Konvention übernommen, den Begriff “Lizenzen” für Binnen- und “Quoten” für internationale Handelssysteme zu verwenden. Emissionshandel ist in Artikel 17 des Kyoto-Protokolls als ein System handelbarer Quoten definiert, das auf den zugeteilten Emissionsmengen basiert, die aus den Emissionsminderungs- und Beschränkungsverpflichtungen errechnet wurden, wie sie in Annex B des Protokolls aufgeführt sind.

Emissionsminderung

Technologiewandel und -ersatz, die den Ressourceneinsatz und die Emissionen pro Ausgabeeinheit verringern. Obwohl einige gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Maßnahmen einen Emissionsrückgang erzeugen würden, ist mit Minderung im Zusammenhang mit Klimaänderung die Umsetzung von Politiken für die Treibhausgasemissionsminderung und die Stärkung von Senken gemeint.

Emissionsminderungskapazität

Die Fähigkeit eines Landes, die Emissionen anthropogener Treibhausgase zu reduzieren oder natürliche Senken zu stärken, wobei sich Fähigkeit auf Fertigkeiten, Kompetenzen, die Angepasstheit und Leistungen bezieht, die ein Land erlangt hat. Diese Fähigkeit hängt von Technologie, Institutionen, Wohlstand, Gerechtigkeit, Infrastruktur und Information ab. Die Emissionsminderungskapazität ist im Entwicklungspfad eines Landes hin zu Nachhaltigkeit verwurzelt.

Emissionsminderungspotenzial

Im Zusammenhang mit Klimaschutz ist das Emissionsminderungspotenzial das Ausmaß an Emissionsminderung, das mit der Zeit erreicht werden könnte, aber noch nicht erreicht ist.

* Das Marktpotenzial ist das auf der Anlastung privater Kosten und Diskontraten basierende Emissionsminderungspotenzial, das unter prognostizierten Marktbedingungen, einschließlich der zurzeit vorhandenen Politiken und Massnahmen, erwartet werden kann. Dabei wird berücksichtigt, dass Hemmnisse die tatsächliche Umsetzung begrenzen. Private Kosten und Diskontraten spiegeln die Perspektive privater Verbraucher und Unternehmen wieder.
* Das wirtschaftliche Potenzial ist das Emissionsminderungspotenzial, das eine Anlastung sozialer Kosten, Gewinne und Diskontraten mit einbezieht, unter der Annahme, dass die Effizienz des Marktes durch Politiken und Maßnahmen verbessert wird und dass Hemmnisse abgebaut werden.
* Untersuchungen des Marktpotenzials können genutzt werden, um Politiker über das Emissionsminderungspotenzial bei derzeitigen Politiken und Hemmnissen zu informieren, während Untersuchungen des wirtschaftlichen Potenzials zeigen, was erreicht werden könnte, wenn angemessene neue und zusätzliche Politiken eingesetzt würden, um Hemmnisse abzubauen und soziale Kosten und Gewinne mit einzubeziehen. Das wirtschaftliche Potenzial ist daher im Allgemeinen größer als das Marktpotenzial.
* Das technische Potenzial ist das Ausmaß, zu dem Treibhausgasemissionen vermindert oder die Energieeffizienz gesteigert werden können, indem eine neue, bereits demonstrierte Technologie oder Praxis angewendet wird. Es wird nicht ausdrücklich auf Kosten Bezug genommen, aber die Annahme von „praktischen Einschränkungen“ kann implizite wirtschaftliche Überlegungen mit einbeziehen.

Emissionsrecht (Emission permit)

Eine durch eine Regierung einer juristischen Person (Unternehmen oder sonstigem Emittent) erteilte Genehmigung, eine bestimmte Menge einer Substanz zu emittieren. Emissionsrechte werden häufig als Teil von Emissionshandelssystemen genutzt. {WGIII}

Emissionsszenario (Emission scenario)

Eine plausible Darstellung der zukünftigen Entwicklung der Emissionen von Substanzen, die potenziell strahlungswirksam sind (z. B. Treibhausgase, Aerosole), basierend auf einer kohärenten und in sich konsistenten Reihe von Annahmen über Antriebskräfte (wie demographische und sozioökonomische Entwicklung oder Technologiewandel, Energie und Landnutzung) und deren Schlüsselbeziehungen Konzentrationsszenarien, die von Emissionsszenarien abgeleitet werden, werden als Vorgabe für ein Klimamodell verwendet, um Klimaprojektionen zu berechnen. IPCC (1992) präsentierte eine Reihe von Emissionsszenarien, die als Grundlage für die Klimaprojektionen in IPCC (1996) dienten. Diese Emissionsszenarien werden als IS92-Szenarien bezeichnet Im IPCC-Sonderbericht zu Emissionsszenarien (IPCC, 2000a) wurden Emissionsszenarien, die sogenannten SRES-Szenarien veröffentlicht, von denen einige unter anderem als Basis für die Klimaprojektionen dienten, die in Kapitel 9 bis 11 des IPCC WGI TAR (IPCC, 2001a) und Kapitel 10 und 11 des IPCC WGI AR4 (IPCC, 2007) sowie in IPCC WGI AR5 (IPCC, 2013b) präsentiert wurden. Neue Emissionsszenarien für die Klimaänderung, die vier Repräsentativen Konzentrationspfade (RCP), wurden für den vorliegenden IPCC-Bericht, jedoch unabhängig von diesem, entwickelt. {WGI, II, III} Siehe auch Basis/Referenz, Klimaszenario, Minderungsszenario, Szenario und Stabilisierung.

Emissionstrajektorie

Eine projizierte zeitliche Entwicklung der Emission eines Treibhausgases oder einer Gruppe von Treibhausgasen, Aerosolen und Vorlauferstoffen von Treibhausgasen.

Emissionstreiber (Drivers of emissions)

Emissionstreiber beziehen sich auf die Prozesse, Mechanismen und Eigenschaften, die Emissionen durch Faktoren beeinflussen. Faktoren umfassen die einzelnen Terme bei einer Dekompositionsanalyse von Emissionen Faktoren und Treiber können im Gegenzug Strategien, Maßnahmen und sonstige Treiber beeinflussen. {WGIII}

Emissionszertifikat (Emission allowance)

Siehe Emissionsrecht.

Endemisch

Bedeutet, auf eine örtliche Lage oder eine Region eingeschränkt oder für eine örtliche Lage oder Region eigentümlich. Im Hinblick auf die menschliche Gesundheit kann sich endemisch auf eine Krankheit oder einen Erreger beziehen, die/der vorhanden oder üblicherweise ständig in einer Population oder in einem geographischen Gebiet verbreitet ist.

Endenergie (Final energy)

Siehe Energie.

Energie (Energy)

Die von einem Körper bzw. einem System in jedem Moment besessene Fähigkeit, „Arbeit zu verrichten“. Energie wird in eine Vielzahl von Arten unterteilt und wird für den Menschen nutzbar, wenn sie von einem Ort zum anderen fließt oder von einer Art in die andere umgewandelt wird.

Graue Energie/kumulierter Energieaufwand: Die Energie, die für die Herstellung einer materiellen Substanz oder eines Produktes (wie veredelte Metalle oder Baustoffe) verbraucht wird, wobei der Energieverbrauch in der Produktionsstätte, der Energieverbrauch für die Herstellung der Materialien, die in der Produktionsstätte verwendet werden usw. mit berücksichtigt werden.

Endenergie: Siehe Primärenergie.

Primärenergie: Primärenergie (auch als Energiequellen bezeichnet) ist die in natürlichen Ressourcen gespeicherte Energie (z. B. Kohle, Erdöl, Erdgas, Uran und erneuerbaren Quellen). Sie wird vielfach unterschiedlich definiert. Die Internationale Energieagentur verwendet die Methode des physikalischen Energiegehaltes, welche Primärenergie als die Energie definiert, die keinerlei anthropogene Umwandlung erfahren hat. Die in diesem Bericht verwendete Methode ist die direkte Äquivalenzmethode (siehe WGIII Anhang II 4), bei welcher eine Einheit von Sekundärenergie aus verbrennungslosen Energiequellen als eine Einheit von Primärenergie zählt, wohingegen die Energie aus Verbrennungsprozessen mit dem Energiepotenzial gleichgesetzt wird, welches in Brennstoffen vor ihrer Behandlung oder Verbrennung enthalten ist. Primärenergie wird durch Reinigung (Erdgas), Raffination (Produkte aus Erdöl) oder durch Umwandlung in Elektrizität oder Wärme in Sekundärenergie umgewandelt. Wenn die Sekundärenergie zum Endverbraucher geliefert wurde, wird sie als Endenergie bezeichnet (z. B. Strom aus der Steckdose), wo sie zu nutzbarer Energie für Energiedienstleistungen (z. B. Licht) wird.

Erneuerbare Energie: Jede Form von Energie aus solaren, geophysikalischen oder biologischen Quellen, die durch natürliche Prozesse in dem Maße oder schneller regeneriert wird, wie sie verbraucht wird. Für eine ausführlichere Beschreibung siehe Bioenergie, Sonnenenergie und Windenergie.

Sekundärenergie: Siehe Primärenergie. {WGIII}

Energiearmut (Fuel poverty)

Ein Zustand, in dem ein Haushalt nicht in der Lage ist, ein bestimmtes Verbrauchsniveau an häuslichen Energieleistungen (insbesondere Beheizung) zu gewährleisten oder unverhältnismäßig hohe Kostenlasten zur Erfüllung dieser Bedürfnisse zu tragen hat. {WGIII}

Energiebilanz (der Erde) (Energy budget (of the Earth))

Die Erde ist ein physikalisches System mit einer Energiebilanz, die die Gesamtzufuhr eingetragener Energie und alle Verluste abgegebener Energie umfasst. Die Energiebilanz der Erde wird ermittelt, indem gemessen wird, wie viel Energie in das Erdsystem von der Sonne einfällt, wie viel Energie an den Weltraum verloren geht und die Differenz auf der Erde und in ihrer Atmosphäre ausgewiesen wird. Sonneneinstrahlung ist die Hauptenergiequelle für das Erdsystem. Einfallende Sonnenenergie kann durch Wolken und Aerosole gestreut und reflektiert oder in der Atmosphäre absorbiert werden. Die ankommende Strahlung wird dann an der Erdoberfläche entweder absorbiert oder reflektiert. Die durchschnittliche Albedo der Erde beträgt etwa 0,3, d. h. dass 30 % der einfallenden Sonnenenergie in den Weltraum reflektiert werden, während 70 % von der Erde absorbiert werden. Solare- oder Kurzwellenstrahlungsenergie wird in fühlbare Wärme, latente Energie (in Form unterschiedlicher Wasserzustände), potenzielle Energie und kinetische Energie umgewandelt, bevor sie als Infrarotstrahlung emittiert wird. Bei der durchschnittlichen Oberflächentemperatur der Erde von etwa 15 °C (288 K) liegt der Großteil des abgehenden Energieflusses im infraroten Bereich des Spektrums. {WGI}

Energiedichte (Energy density)

Das Verhältnis von gespeicherter Energie zum Volumen oder der Masse eines Treibstoffs oder einer Batterie. {WGIII}

Energiedienstleistung (Energy services)

Eine Energiedienstleistung ist die aus der Energienutzung erzielte Leistung. {WGIII}

Energieeffizienz (Energy efficiency (EE))

Das Verhältnis von nutzbarem Energieertrag zu Energieeinsatz in einem System, einem Umwandlungsprozess oder einer Aktivität. In wirtschaftlicher Hinsicht kann der Begriff das Verhältnis von wirtschaftlichem Ertrag zu Energieeinsatz beschreiben. {WGIII} Siehe auch Energieintensität.

Energieintensität (Energy intensity)

Das Verhältnis von Energieverbrauch zu wirtschaftlicher oder physikalischer Produktionsleistung. {WGIII}

Energiesicherheit (Energy security)

Das Ziel eines bestimmten Landes, oder der globalen Gemeinschaft insgesamt, eine angemessene, stabile und vorhersehbare Energieversorgung aufrecht zu erhalten. Maßnahmen beinhalten die Sicherung der Schonung von Energieressourcen zur Deckung des nationalen Energiebedarfs zu wettbewerbsfähigen und stabilen Preisen und die Resilienz der Energieversorgung; Ermöglichung der Entwicklung und des Einsatzes von Technologien; Aufbau einer ausreichenden Infrastruktur zur Erzeugung, Lagerung und Übertragung der Energieversorgung sowie die Sicherstellung einklagbarer Lieferverträge. {WGIII}

Energiesystem (Energy system)

Das Energiesystem umfasst alle Komponenten der Energieproduktion, Energieumwandlung, Energieversorgung und Energienutzung. {WGIII}

Energieträger (Energy carrier)

Eine Substanz für die Lieferung mechanischer Arbeit oder die Übertragung von Wärme Beispiele für Energieträger sind: feste, flüssige oder gasförmige Brennstoffe (z. B. Biomasse, Kohle, Öl, Erdgas, Wasserstoff); unter Druck stehende/erhitzte/gekühlte Flüssigkeiten (Luft, Wasser, Dampf) und elektrischer Strom. {WGIII}

Ensemble (Ensemble)

Eine Sammlung von Modellsimulationen, die eine Klimaprognose oder Klimaprojektion kennzeichnet. Unterschiede in den Anfangsbedingungen und der Modellformulierung führen zu unterschiedlichen Entwicklungen der modellierten Systeme und können im Fall von Klimaprognosen Informationen zu Unsicherheiten aufgrund von Modellfehlern und Fehlern in den Anfangsbedingungen sowie im Fall von Klimaprojektionen Informationen zu Unsicherheiten aufgrund von Modellfehlern und intern generierter Klimavariabilität liefern. {WGI, II}

Entnahme von Kohlendioxid (Carbon Dioxide Removal, CDR)

Die Methoden zur Entnahme von Kohlendioxid (CO2) beziehen sich auf eine Reihe von technischen Verfahren, die darauf gerichtet sind, CO2 direkt aus der Atmosphäre zu entfernen, entweder durch (1) die Erweiterung natürlicher Senken für Kohlenstoff oder (2) die Verwendung chemischer Verfahren zur Entfernung von CO2, mit der Absicht, die atmosphärische CO2-Konzentration zu verringern. CDR-Verfahren umfassen Meeres-, Land- und technische Systeme, einschließlich solcher Methoden wie Eisendüngung, weiträumige Aufforstung und direkte Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre unter Verwendung technisierter chemischer Mittel. Einige CDR-Verfahren fallen in die Kategorie des Geoengineering, während dies für andere nicht gilt, wobei die Unterscheidung auf dem Ausmaß, dem Umfang und den Folgen der einzelnen CDR-Maßnahmen beruht. Die Grenze zwischen CDR und Minderung ist nicht eindeutig, und es können Überschneidungen zwischen den zwei derzeitig vorgegebenen Definitionen bestehen (IPCC, 2012b, S.2) {WGI, III} Siehe auch Solar Radiation Management (SRM).

Entwaldung (Deforestation)

Umwandlung von Wald in nicht-bewaldete Fläche. Für eine Diskussion des Begriffes Wald und verwandter Begriffe wie Aufforstung, Wiederaufforstung und Entwaldung siehe den IPCC-Sonderbericht zur Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft. (IPCC, 2000b) Siehe auch den Bericht „Definitions and Methodological Options to Inventory Emissions from Direct Human-induced Degradation of Forests and Devegetation of Other Vegetation Types“. (IPCC, 2003) {WGI}

Die Umwandlung von Wald in nicht-bewaldete Fläche ist eine der Hauptquellen von Treibhausgasemissionen. Gemäß Artikel 3.3 des Kyoto-Protokolls sollen „die Nettoänderungen der Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und des Abbaus solcher Gase durch Senken als Folge unmittelbar vom Menschen verursachter Landnutzungsänderungen und forstwirtschaftlicher Maßnahmen, die auf Aufforstung, Wiederaufforstung und Entwaldung seit 1990 begrenzt sind, gemessen als nachprüfbare Veränderungen der Kohlenstoffbestände in jedem Verpflichtungszeitraum, für die Erfüllung der jeder in Anlage I aufgeführten Vertragspartei obliegenden Verpflichtungen nach diesem Artikel verwendet“ werden. Emissionsreduktionen aus Entwaldung sind nicht als Joint Implementation-Projekte oder Clean Development Mechanism-Projekte zulässig, wurden jedoch in das Arbeitsprogramm unter REDD (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) unter dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen (UNFCCC) aufgenommen. {WGIII}

IPCC-Bericht "Land Use, Land-Use Change and Forestry"

IPCC-Bericht "Definitions and Methodological Options to Inventory Emissions from Direct Human-induced Degradation of Forests and Devegetation of Other Vegetation Types"


Entwicklungsländer (Developing countries)

Siehe Industrieländer/Entwicklungsländer.

Entwicklungspfad (Development pathway)

Eine Entwicklung über die Zeit in einem bestimmten Maßstab, basierend auf einer Reihe von technologischen, wirtschaftlichen, sozialen, institutionellen, kulturellen und biophysikalischen Eigenschaften, welche die Wechselwirkungen zwischen natürlichen Systemen und solchen des Menschen bestimmen, einschließlich der Verbrauchs- und Produktionsmuster in allen Ländern. {WGIII}

Erdsystemmodell (Earth System Model, ESM)

Ein gekoppeltes Allgemeines Atmosphären-Ozean-Zirkulationsmodell, das die Darstellung des Kohlenstoffkreislaufs beinhaltet und eine interaktive Berechnung atmosphärischer CO2- oder kompatibler Emissionen ermöglicht. Zusätzliche Komponenten (z. B. Atmosphärenchemie, Eisschilde, dynamische Vegetation, Stickstoffkreislauf, aber auch urbane oder Anbaumodelle) können eingeschlossen sein. {WGI, II} Siehe auch Klimamodell.

Erfüllung

Erfüllung beschreibt, ob und in welchem Ausmaß sich Länder an die Bedingungen eines Abkommens halten. Erfüllung hängt von der Umsetzung der angeordneten Politiken ab und davon, ob den Politiken entsprechende Maßnahmen folgen. Erfüllung ist das Maß, in dem die Akteure, auf deren Verhalten das Abkommen abzielt, lokale Regierungen, Konzerne, Organisationen oder Einzelpersonen, sich an die Umsetzungsverpflichtungen halten. Siehe auch Umsetzung.

Erkennung und Zuordnung

Das Klima ändert sich ständig auf allen Zeitskalen. Die Erkennung einer Klimaänderung ist das Verfahren, mit dem aufgezeigt wird, dass sich das Klima in einem bestimmten statistischen Sinn geändert hat, ohne einen Grund für diese Änderung zu nennen. Die Zuordnung von Gründen für die Klimaänderung ist das Verfahren der Bestimmung der wahrscheinlichsten Gründe für die erkannten Änderungen auf einem bestimmten Vertrauensniveau.

Ernährungssicherheit (Food security)

Ein Zustand, der vorherrscht, wenn Menschen einen gesicherten Zugang zu ausreichenden Mengen an sicheren und nahrhaften Nahrungsmitteln haben, um normal wachsen, sich entwickeln und aktiv und gesund leben zu können. {WGII, III} Siehe auch Zugang zu Nahrung.

Ernährungssystem (Food system)

Ein Ernährungssystem umfasst sämtliche Aktivitäten und Akteure in der Nahrungsmittelkette (d. h. die Produktion, Verarbeitung und Verpackung, Lagerung, den Transport, den Handel und Vertrieb sowie die Zubereitung und den Verbrauch von Nahrungsmitteln) sowie das Ergebnis dieser Aktivitäten in Bezug auf die drei Komponenten, die Ernährungssicherheit stützen (d. h. Zugang zu Nahrung, Verwertung von Nahrung und Nahrungsverfügbarkeit), welche alle über die Zeit stabil sein müssen. Ernährungssicherheit wird daher durch Ernährungssysteme getragen und stellt einen zunehmend wichtigen Aspekt im Verhalten des gesamten Ernährungssystems dar. Ernährungsunsicherheit entsteht, wenn ein Aspekt des Ernährungssystems Störungen ausgesetzt ist. {WGII}

Erneuerbare Energien (Renewable energy, RE)

Siehe Energie.

Erosion

Der Prozess des Entfernens und des Transports von Boden und Gestein durch Verwitterung, Massenabnutzung und unter Einwirkung von Fließgewässern, Gletschern, Wellen, Wind und Grundwasser.

Eutrophierung (Eutrophication)

Die übermäßige Anreicherung von Wasser mit Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Sie ist einer der Hauptgründe für Beeinträchtigungen der Wasserqualität. Die beiden akutesten Symptome der Eutrophierung sind Hypoxie (bzw. Sauerstoffzehrung) und schädliches Algenwachstum. {WGII} Siehe auch Tote Zonen.

Evapotranspiration

Die kombinierten Vorgänge von Wasserverdunstung von der Erdoberfläche und pflanzlicher Transpiration.

Evolutionäre Anpassung (Evolutionary adaptation)

Die Veränderung der funktionalen Eigenschaften einer Population oder Art infolge einer auf Erbmerkmalen beruhenden Selektion. Die evolutionäre Anpassungsrate hängt von Faktoren wie der Stärke der Selektion, der Dauer des Generationen-Turnovers und dem Grad der Auskreuzung (im Gegensatz zur Inzucht) ab. {WGII} Siehe auch Anpassung.

Existenzgrundlage (Livelihood)

Die zum Leben verwendeten Ressourcen und unternommenen Aktivitäten. Existenzgrundlagen werden normalerweise durch die Berechtigungen und Vermögenswerte, zu denen Menschen Zugang haben, bestimmt. Solche Vermögenswerte können als solche des Menschen, als sozial, natürlich, physisch oder finanziell klassifiziert werden. {WGII}

Exposition (Exposure)

Das Vorhandensein von Menschen, Existenzgrundlagen, Arten bzw. Ökosystemen, Umweltfunktionen, -leistungen und -ressourcen, Infrastruktur oder ökonomischem, sozialem oder kulturellem Vermögen in Gegenden und Umständen, die von negativen Auswirkungen betroffen sein könnten. {WGII}

Externe Effekte

Externe Effekte entstehen aus menschlicher Aktivität, wenn die für die Aktivität Verantwortlichen die Folgen der Aktivität auf die Herstellungs- und Verbrauchsmöglichkeiten anderer nicht vollständig in Rechnung ziehen und kein Ausgleich für diese Folgen besteht. Sind die Folgen negativ, spricht man von externen Kosten, sind sie positiv, von externen Gewinnen.

Extremes Klimaereignis (Extreme climate event)

Siehe Extremwetterereignis.

Extremwetterereignis (Extreme weather event)

Ein Extremwetterereignis ist ein Ereignis, das an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit selten ist. Die Definitionen für „selten“ variieren, aber ein Extremwetterereignis wäre normalerweise so selten wie oder seltener als das 10 oder 90 Perzentil einer beobachteten Wahrscheinlichkeitsverteilung. Per Definition kann die Charakteristik von sogenanntem Extremwetter absolut gesehen von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Wenn ein Muster extremen Wetters für einige Zeit, z. B. eine Saison, anhält, kann es als extremes Klimaereignis eingestuft werden, insbesondere, wenn es für sich im Durchschnitt oder in seiner Gesamtheit extrem ist (z. B. Dürre oder starker Regen über eine Saison). {WGI, II}