Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

G.

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Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (Combined-cycle gas turbine)

Ein Kraftwerk, das zwei Prozesse für die Erzeugung von Elektrizität kombiniert. Zunächst treibt die Treibstoffverbrennung eine Gasturbine an. Im Anschluss werden Abgase aus der Turbine verwendet, um Wasser für den Antrieb einer Dampfturbine zu erhitzen. {WGIII}

Gefährdung (Hazard)

Das potenzielle Auftreten eines natürlichen oder durch den Menschen induzierten physischen Ereignisses, Trends oder einer physischen Auswirkung, die den Verlust von Menschenleben, Verletzungen oder sonstige gesundheitliche Folgen verursachen können, sowie Schäden und Verlust von Besitz, Infrastruktur, Existenzgrundlagen, Bereitstellung von Leistungen, Ökosystemen und Umweltressourcen. In diesem Bericht bezieht sich der Begriff Gefährdung normalerweise auf klimatische und klimabedingte physikalische Ereignisse oder Trends bzw. deren physische Folgen. {WGII}

Gefrorener Untergrund

Boden oder Gestein, in welchem das Porenwasser teilweise oder ganz gefroren ist (Van Everdingen, 1998). Gefrorener Untergrund schließt Permafrost ein. Untergrund, der jährlich gefriert und wieder auftaut, wird saisonal gefrorener Untergrund genannt.

Gelegenheiten

Umstände zur Verringerung der Diskrepanz zwischen Marktpotenzial einer beliebigen Technologie oder Praktik und dem wirtschaftlichen oder technischen Potenzial.

Gemeindebasierte Anpassung (Community-based adaptation)

Lokale, gemeindegesteuerte Anpassung. Eine gemeindebasierte Anpassung fokussiert auf die Stärkung und Förderung der Anpassungsfähigkeit von Gemeinden und Gesellschaften. Es ist ein Ansatz, der Kontext, Kultur, Wissen, Tätigkeiten und Vorlieben von Gesellschaften als Stärken annimmt. {WGII}

Geoengineering (Geoengineering)

Geoengineering bezieht sich auf ein breites Spektrum von Methoden und Technologien, die darauf gerichtet sind, das Klimasystem bewusst zu verändern, um die Folgen der Klimaänderung abzumildern. Die meisten, jedoch nicht alle Methoden sind darauf gerichtet, entweder (1) die Menge der absorbierten Sonnenenergie im Klimasystem zu verringern (Solar Radiation Management) oder (2) die Nettokohlendioxid-Senken aus der Atmosphäre in ausreichend hohem Maße zu steigern, um das Klima zu ändern (Entnahme von Kohlendioxid (CDR)). Umfang und Ziel sind von zentraler Bedeutung. Zwei Schlüsseleigenschaften von Geoengineering-Methoden sind von besonderer Bedeutung: Sie nutzen bzw. beeinflussen das Klimasystem (z. B. Atmosphäre, Land oder Ozean) global bzw. regional und/oder könnten erhebliche unbeabsichtigte Auswirkungen haben, die über Landesgrenzen hinausgehen. Geoengineering unterscheidet sich von Wettermodifizierung und Umweltengineering, jedoch können die Grenzen fließend sein. (IPCC, 2012b, S. 2) {WGI, II, III}

Gesamte Sonneneinstrahlung

Die Menge an Sonnenstrahlung, die außerhalb der Erdatmosphäre in mittlerer Entfernung der Erde zur Sonne auf einer zur einfallenden Strahlung senkrecht stehenden Fläche auftrifft. Verlässliche Messungen der Sonnenstrahlung können nur im Weltraum gemacht werden und eine genaue Aufzeichnung reicht nur bis 1978 zurück. Der allgemein anerkannte Wert beträgt 1,368 Watt pro Quadratmeter (W/m²) mit einer Genauigkeit von etwa 0,2 Prozent. Schwankungen um ein paar Zehntel Prozent sind üblich, normalerweise hängen sie mit dem Durchzug von Sonnenflecken über die Sonnenscheibe zusammen. Die Schwankung der gesamten Sonneneinstrahlung über den Sonnenzyklus liegt in der Größenordnung von 0,1 Prozent.

Gesamtwirtschaftliche Kosten

Diese Kosten werden üblicherweise als Änderungen im Bruttoinlandsprodukt oder im Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gemessen, oder als Verlust an Wohlstand oder Konsum.

Gestehungskosten von Kohlenstoffeinsparung (Levelized cost of conserved carbon, LCCC)

Zu Begriffen und Definitionen siehe AR5 WGIII, Anhang II 3.1.3.

AR5 WGIII, Anhang II 3.1.3


Gezeitenpegel (Tide gauge)

Ein Gerät an einem Küsten- oder Tiefseestandort, das kontinuierlich den Meeresspiegel gegenüber dem angrenzenden Land misst. Die zeitliche Mittelung des so erfassten Meeresspiegels ergibt die beobachteten langfristigen Änderungen des relativen Meeresspiegels. {WGI}

Gleichgewichts-Klimasensitivität (Equilibrium climate sensitivity)

Siehe Klimasensitivität.

Gletscher (Glacier)

Eine mehrjährige Landeismasse, die durch zusammengepressten Schnee entstanden ist, Belege für vergangene oder derzeitige Strömung (durch innere Umformung und/oder Gleiten auf dem Untergrund) aufweist und durch innere Spannung und Reibung auf dem Untergrund und an den Seiten eingegrenzt ist. Ein Gletscher wird durch die Akkumulation von Schnee in hohen Lagen genährt, was durch das Abschmelzen in tiefen Lagen und/oder das Abbrechen ins Meer ausgeglichen wird. Eine Eismasse desselben Ursprungs, jedoch von kontinentaler Größe, wird Eisschild genannt. Aus Vereinfachungsgründen werden in diesem Sachstandsbericht alle Eismassen mit Ausnahme von Eisschilden als Gletscher bezeichnet. {WGI} Siehe auch Massenbilanz (von Gletschern oder Eisschilden).

Gletschersee

Ein aus dem Schmelzwasser eines Gletschers gebildeter See, der sich entweder vor dem Gletscher (proglazialer See), auf der Gletscheroberfläche (supraglazialer See), im Gletscherinneren (englazialer See) oder im Gletscherbett (subglazialer See) befindet.

Globale Erdoberflächentemperatur

Die globale Erdoberflächentemperatur ist eine Schätzung der globalen mittleren Lufttemperatur an der Erdoberfläche. Für die Berechnung von Änderungen über die Zeit werden allerdings nur Anomalien, d.h. Abweichungen von klimatologischen Mittelwerten, verwendet. Diese werden üblicherweise als flächengewichteter globaler Durchschnitt der Temperaturanomalien an der Meeresoberfläche und der Anomalien der Lufttemperatur über der Landoberfläche berechnet.

Globale Erwärmung (Global warming)

Globale Erwärmung bezieht sich auf den allmählichen – beobachteten oder projizierten – Anstieg der globalen Oberflächentemperatur als eine der Folgen des durch anthropogene Emissionen verursachten Strahlungsantriebs. {WGIII}

Globales Erwärmungspotenzial (Global Warming Potential, GWP)

Ein Index auf Basis der Strahlungseigenschaften von Treibhausgasen, der den Strahlungsantrieb angibt, welcher aus einer Puls-Emission einer Masseeinheit eines bestimmten Treibhausgases in die gegenwärtige Atmosphäre folgt, integriert über einen gewählten Zeithorizont und im Vergleich zu dem von Kohlendioxid. Das GWP repräsentiert den kombinierten Effekt der unterschiedlichen Verweilzeiten, für welche diese Gase in der Atmosphäre verbleiben, und der relativen Wirksamkeit dieser Gase bei der Verursachung von Strahlungsantrieb. Das Kyoto-Protokoll basiert auf GWP aus Puls-Emissionen über einen Zeitrahmen von 100 Jahren. {WGI, III}

Soweit nicht anders angegeben, nutzt dieser Bericht GWP-Werte, die mit einem Zeitrahmen von 100 Jahren berechnet wurden und die oft aus dem Zweiten IPCC-Sachstandsbericht stammen (siehe AR5 WGIII, Annex II 9 1 für die GWP-Werte unterschiedlicher THG). {WGIII}

Globaler Wandel (Global change)

Ein allgemeiner Begriff zur Umschreibung globaler Änderungen in Systemen, einschließlich des Klimasystems, der Ökosysteme und sozialökologischer Systeme. {WGII}

Globales Temperaturänderungspotenzial (Global Temperature change Potential, GTP)

Ein Index zur Messung der Änderung der mittleren globalen Oberflächentemperatur zu einem gewählten Zeitpunkt nach der Emission einer Masseneinheit einer bestimmten Substanz im Verhältnis zur Referenzsubstanz, Kohlendioxid (CO2). Das Globale Temperaturänderungspotenzial (GTP) repräsentiert daher den kombinierten Effekt der unterschiedlichen Verweilzeiten, für welche diese Substanzen in der Atmosphäre verbleiben, deren Wirkungsgrade bei der Verursachung des Strahlungsantriebs sowie der Reaktion des Klimasystems. Das GTP wurde auf zwei unterschiedliche Arten definiert:

Starres GTP: basierend auf einem festen Zeithorizont in der Zukunft (wie GTP100 für einen Zeithorizont von 100 Jahren).

Dynamisches GTP: basierend auf einem Zieljahr (beispielsweise das Jahr, in dem für die mittlere globale Temperatur das Erreichen eines Zielniveaus erwartet wird). Im dynamischen GTP reduziert sich der Zeithorizont über die Zeit, da das Zieljahr näher rückt und daher verändert sich der GTP-Wert für zukünftig auftretende Emissionen. {WGI Kapitel 8}

Governance/Politische Steuerung und Koordination (Governance)

Ein umfassender und einschließender Begriff für die volle Bandbreite von Mitteln zur Entscheidungsfindung, Management und Umsetzung von politischen Strategien und Maßnahmen. Während der Begriff Regierung (englisch: government) streng im Hinblick auf eine Nation definiert wird, würdigt der weiter gefasste Begriff Governance die Beiträge auf unterschiedlichen Regierungsebenen (global, international, regional, lokal) und die beitragenden Rollen des Privatsektors, von Nichtregierungsakteuren und der Zivilgesellschaft dabei, die vielen verschiedenen Probleme, denen sich die globale Gemeinschaft gegenüber sieht, anzugehen. {WGIII}

Grad des wissenschaftlichen Verständnisses (GDWV)

Dies ist ein Index auf einer fünfstufigen Skala (hoch, mittel, mittel-niedrig, niedrig und sehr niedrig), der dazu dient, den Grad des wissenschaftlichen Verständnisses der Strahlungsantriebs-Kräfte, welche die Klimaänderung beeinflussen, zu charakterisieren. Für jede Kraft beschreibt der Index eine subjektive Einschätzung der Anhaltspunkte zu den physikalisch-chemischen Mechanismen, die den Antrieb bestimmen, und zum Konsens bezüglich der quantitativen Abschätzung und deren Unsicherheiten.

Gründe zur Besorgnis (Reasons for concern, RFC)

Elemente eines Klassifizierungsrahmens, erstmals im Dritten Sachstandsbericht des IPCC (IPCC, 2001b) entwickelt, der darauf abzielt, Beurteilungen darüber zu erleichtern, welches Niveau der Klimaänderung „gefährlich“ (in der Sprache des Artikels 2 des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC)) sein kann, indem Folgen, Risiken und Verwundbarkeiten aggregiert werden. {WGII}

Grundwasserneubildung (Groundwater recharge)

Der Prozess, durch den externes Wasser einer Sättigungszone eines Aquifers zugeführt wird, entweder direkt in eine geologische Formation, die das Wasser einschließt, oder indirekt über eine andere Formation. {WGII}

Gut durchmischtes Treibhausgas (Well-mixed greenhouse gas)

Siehe Treibhausgas.