Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

I.

A B C D E F G H J K L M N O P Q R S T U V W Z

Indigene Völker (Indigenous peoples)

Indigene Völker und Nationen sind jene, die eine historische Kontinuität mit den vor Invasion und Kolonisierung auf ihren Territorien entwickelten Gesellschaften aufweisen und sich nach eigenem Empfinden von anderen Sektoren der heute auf diesen Territorien vorherrschenden Gesellschaften oder Teilen dieser unterscheiden. Sie bilden derzeit hauptsächlich nicht-dominante Sektoren der Gesellschaft und sind häufig dazu entschlossen, ihre angestammten Territorien und ihre ethnische Identität als Grundlage ihrer kontinuierlichen Existenz als Völker zu bewahren, im Einklang mit ihren eigenen kulturellen Mustern, sozialen Institutionen und Gewohnheitsrechten zu entwickeln und an zukünftige Generationen weiterzugeben. {WGII}

Indirekte Emissionen (Indirect emissions)

Siehe Emissionen.

Industrieländer/Entwicklungsländer (Industrialized countries/developing countries)

Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, um Länder auf der Grundlage ihres Entwicklungsstandes zu klassifizieren und Begriffe wie industrialisiert, entwickelt oder Entwicklungsland zu definieren. Der IPCC verwendet verschiedene Klassifizierungen: (1) Im System der Vereinten Nationen gibt es kein festes Übereinkommen bezüglich der Bestimmung von Industrie- und Entwicklungsländern bzw. –gegenden. (2) Der Statistische Dienst der Vereinten Nationen spezifiziert Industrie- und Entwicklungsregionen auf der Grundlage gängiger Praxis. Darüber hinaus werden bestimmte Länder als am Wenigsten Entwickelte Länder (least developed countries, LCD), Entwicklungsländer ohne Meereszugang, Kleine Inselentwicklungsländer und Transformationsländer eingestuft. Viele Länder finden sich in mehr als einer dieser Kategorien wieder. (3) Die Weltbank verwendet Einkommen als Hauptkriterium für die Klassifizierung von Ländern – als Länder mit geringem, geringerem mittlerem, oberem mittlerem und hohem Einkommen. (4) Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) aggregiert Indikatoren für Lebenserwartung, Bildungsabschluss und Einkommen in einem zusammengesetzten Index für menschliche Entwicklung (human development index, HDI) um Länder als gering, mittel, hoch oder sehr hoch menschlich entwickelt zu klassifizieren. Siehe WGII, AR5 Box 1-2. {WGII, III}

Industrielle Revolution (Industrial Revolution)

Eine Zeitspanne raschen industriellen Wachstums mit weitreichenden sozialen wirtschaftlichen Auswirkungen, welche in Großbritannien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann und sich auf Europa und später auf andere Länder einschließlich der USA ausbreitete. Die Erfindung der Dampfmaschine war ein wichtiger Auslöser dieser Entwicklung. Die industrielle Revolution markiert den Beginn eines starken Anstiegs im Verbrauch fossiler Brennstoffe und in der Emission insbesondere von fossilem Kohlendioxid. In diesem Bericht beziehen sich die Begriffe vorindustriell und industriell – etwas willkürlich – auf den Zeitraum vor bzw. nach 1750. {WGI, II, III}

Induzierter Technologiewandel

Siehe Technologiewandel.

Infektionskrankheit

Jegliche Krankheit, die durch mikrobielle Wirkstoffe hervorgerufen wird und die von einer Person auf die andere oder von Tieren auf Menschen übertragbar ist. Dies kann durch direkten physischen Kontakt, durch die Handhabung von Gegenständen, der infektiöse Organismen aufgenommen hat, durch einen Krankheitsträger, über verseuchtes Wasser oder durch die Verbreitung von infizierten Tröpfchen, die in die Luft gehustet oder ausgeatmet wurden, geschehen.

Informeller Sektor (Informal sector)

Wirtschaftsunternehmen (zumeist kleine Unternehmen), die nicht registriert sind oder anderweitig außerhalb der offiziellen Regelungen und Vorschriften liegen. Die Unternehmen, die den informellen Sektor bilden, unterscheiden sich erheblich im Wert der produzierten Güter bzw. Leistungen, der Anzahl von Mitarbeitern, dem Ausmaß von Illegalität und der Verbindung zum formellen Sektor. Viele informelle Unternehmen weisen Eigenschaften von Unternehmen des formellen Sektors auf und manche Menschen arbeiten in informellen Arbeitsverhältnissen innerhalb des formellen Sektors, da sie rechtlich ungeschützt sind und keine Sozialleistungen genießen. {WGII}

Infrastruktur

Die Grundausstattung, Einrichtungen, produzierende Unternehmen, Installationen und Dienstleistungen, die für die Entwicklung, den Betrieb und das Wachstum einer Organisation, Stadt oder Nation erforderlich sind.

Inkrementelle Investition (Incremental investment)

Siehe Klimafinanzierung

Institutionen (Institutions)

Institutionen sind von sozialen Akteuren geteilte Regeln und Normen, die Interaktionen von Menschen lenken, beschränken und formen Institutionen können formell sein, wie Gesetze und Politikinstrumente, oder informell wie Normen und Konventionen. Die Entwicklung und Handlungen von Organisationen – z. B. Parlamenten, Regulierungsbehörden, Privatunternehmen und Gesellschaftsorganen – werden von den institutionellen Rahmen und den Anreizen, die sie bilden, bestimmt Institutionen können die Interaktion von Menschen durch direkte Kontrolle, durch Anreize und durch Sozialisierungsprozesse lenken, beschränken und formen. {WGII, III}

Integrale Energiekonzepte für Gebäude

Optimierung von Ausrichtung und Form von Gebäuden und Einsatz von Hochleistungshüllen, um Heiz- und Kühllasten zu minimieren. Passive Techniken zur Kontrolle von Wärmetransfer, Lüftung und Tageslichtzugang verringern die Energielasten weiter. Effiziente mechanische Systeme, die angemessen bemessen und geregelt werden, behandeln die übrigen Lasten. Integrale Energiekonzepte verlangen einen iterativen Entwurfsprozess, der alle größeren Interessensgruppen von den Gebäudenutzern bis zu den Lieferanten der Ausrüstung mit einbezieht, und kann 30 bis 75 Prozent Energieersparnis in neuen Häusern zu geringen oder gar keinen zusätzlichen Investitionskosten erbringen.

Integrierte Bewertung (Integrated assessment)

Eine Analysemethode, die Ergebnisse und Modelle aus Physik, Biologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und die Wechselwirkungen zwischen diesen Komponenten in einem konsistenten Rahmen kombiniert, um den Zustand und die Folgen von Umweltveränderungen und der politischen Reaktionen hierauf zu bewerten. {WGII, III} Siehe auch Integrierte Modelle.

Integrierte Modelle (Integrated models)

Siehe Modelle.

Integriertes Küstenzonenmanagement (Integrated Coastal Zone Management, ICZM)

Ein integrierter Ansatz für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Küstengegenden unter Berücksichtigung aller küstennaher Lebensräume und Nutzungen. {WGII}

Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM)

Das vorherrschende Konzept für Wasserwirtschaft, das jedoch nicht eindeutig definiert worden ist. IWRM basiert auf vier Prinzipien, die von der „International Conference on Water and the Environment“ in Dublin 1992 formuliert wurden: 1) Süßwasser ist eine begrenzte und verwundbare Ressource, die für den Erhalt von Leben, Entwicklung und der Umwelt unentbehrlich ist; 2) Wassergewinnung und -wirtschaft sollten auf einem partizipatorischen Ansatz beruhen und Nutzer, Planer und politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen mit einbeziehen; 3) Frauen spielen in der Bereitstellung, der Bewirtschaftung und dem Schutz von Wasser eine zentrale Rolle; 4) Wasser hat in allen seinen miteinander konkurrierenden Nutzungsarten einen wirtschaftlichen Wert und sollte als wirtschaftliches Gut angesehen werden.

Intelligente Zähler

In diesem Bericht ist mit dem Begriff „intelligenter Zähler“ die Anwendung von Informationstechnologie in Gebäuden gemeint, um die effektive Nutzung von Heizung, Lüftung, Klimaanlage und Strom zu regeln. Sie benötigt eine effektive Überwachung von Parametern wie Temperatur, Konvektion, Feuchtigkeit usw. mit angemessenen Kontrollmessungen (smart metering).

Interne Variabilität (Internal variability)

Siehe Klimavariabilität.

Invasive Art (Invasive species/Invasive Alien Species (IAS))

Eine Art, die sich nach Einführung außerhalb ihrer vergangenen und derzeitigen natürlichen Verbreitung (d. h. eine gebietsfremde Art) in natürlichen oder semi-natürlichen Ökosystemen oder Lebensräumen ansiedelt, ist ein Änderungsfaktor und bedroht die heimische biologische Vielfalt. (IUCN, 2000; CBD, 2002) {WGII}

Irreversibilität (Irreversibility)

Ein gestörter Zustand eines dynamischen Systems wird als irreversibel in einer bestimmten zeitlichen Größenordnung bezeichnet, wenn der Erholungszeitraum von diesem Zustand aufgrund natürlicher Prozesse wesentlich länger dauert als der Zeitraum, in dem das System diesen gestörten Zustand erreicht hat. Die zeitliche Größenordnung von Interesse im Kontext dieses Berichtes beträgt Jahrhunderte bis Jahrtausende. {WGI} Siehe auch Kipp-Punkt.