Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

K.

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Kalbung (Calving)

Das Abbrechen einzelner Eisstücke von einem Gletscher, Eisschild oder Schelfeis in See- oder Meerwasser, das Eisberge entstehen lässt. Dies ist eine Form des Masseverlustes eines Eiskörpers. {WGI} Siehe auch Massenbilanz (von Gletschern oder Eisschilden).

Kalte Tage/kalte Nächte (Cold days/cold nights)

Tage, an denen die Höchsttemperatur bzw. Nächte, in denen die Tiefsttemperatur unterhalb des 10 Perzentils liegt, wobei die entsprechenden Temperaturverteilungen im Allgemeinen im Hinblick auf den Referenzzeitraum 1961–1990 definiert werden. Zu den entsprechenden Kennzahlen siehe AR5 WGI, Box 2.4. {WGI}

Kapazitätsaufbau

Im Zusammenhang mit Klimaänderung stellt Kapazitätsaufbau die Entwicklung von technischen und institutionellen Fähigkeiten in Entwicklungs- und Transformationsländern dar. Dies dient dazu, ihre Teilnahme an allen Aspekten der Anpassung an, Minderung von und Forschung über Klimaänderung sowie an der Umsetzung der Kyoto-Mechanismen usw. zu ermöglichen.

Katastrophe (Disaster)

Schwerwiegende Änderungen im normalen Funktionieren einer Gemeinde oder Gesellschaft aufgrund von gefährlichen physischen Ereignissen in Wechselwirkung mit vulnerablen sozialen Verhältnissen, welche zu weitverbreiteten negativen Folgen für Menschen, Material, Wirtschaft oder Umwelt führen, die sofortige Notfallmaßnahmen erfordern, um die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse des Menschen sicherzustellen, und die möglicherweise externe Unterstützung zur Wiederherstellung erfordern. {WGII}

Katastrophenrisiko (Disaster risk)

Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Katastrophe innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. {WGII} Siehe auch Katastrophe.

Katastrophenrisikomanagement (Disaster Risk Management (DRM))

Prozesse für den Entwurf, die Umsetzung und die Bewertung von Strategien, politischen Konzepten und Maßnahmen für ein besseres Verständnis von Katastrophenrisiken, die Förderung von Katastrophenvorsorge und -risikotransfer sowie die Förderung einer kontinuierlichen Verbesserung der Verfahren zu Katastrophenvorsorge, -schutz und -bewältigung sowie Wiederherstellung, mit dem ausgewiesenen Ziel, Sicherheit, Wohlergehen, Lebensqualität und nachhaltige Entwicklung zu fördern. {WGII}

Katastrophenvorsorge (Disaster risk reduction (DRR))

Bezeichnet sowohl ein politisches Ziel als auch die strategischen und instrumentellen Maßnahmen, die eingesetzt werden, um zukünftige Katastrophenrisiken zu antizipieren, bestehende Exposition, Gefährdung oder Verwundbarkeit zu verringern und die Resilienz zu verbessern. {WGII}

Kaufkraftparität (KKP) (Purchasing power parity (PPP))

Die Kaufkraft einer Währung wird über einen Waren- und Dienstleistungskorb ausgedrückt, der mit einem bestimmten Betrag im eigenen Land erworben werden kann. Der internationale Vergleich von z. B. Bruttoinlandsprodukten (BIP) verschiedener Länder kann auf Basis der Kaufkraft von Währungen anstelle auf der von aktuellen Wechselkursen durchgeführt werden. Auf der Basis von KKP wird oft das pro-Kopf-BIP in Industrieländern niedriger und das Pro-Kopf-BIP in Entwicklungsländern höher eingeschätzt. Siehe AR5 WGIII Anhang II 1.3 hinsichtlich des in diesem Bericht angewandten Umrechnungsprozesses für Währungen {WGIII}

AR5 WGIII Anhang II 1.3


Kipp-Punkt (Tipping point)

Ein Änderungsniveau in Systemeigenschaften, jenseits dessen sich ein System reorganisiert, häufig abrupt, und nicht mehr zum ursprünglichen Zustand zurückkehrt, selbst wenn die Treiber der Änderung abgebaut werden. In Bezug auf das Klimasystem bezeichnet dieser Begriff eine kritische Schwelle des Übergangs des globalen oder regionalen Klimas von einem stabilen Zustand in einen anderen stabilen Zustand. Das Kipp-Punkt-Ereignis kann irreversibel sein. {WGI, II, III} Siehe auch Irreversibilität.

Klima (Climate)

Klima im engeren Sinne ist normalerweise definiert als das durchschnittliche Wetter, oder genauer als die statistische Beschreibung in Form von Durchschnitt und Variabilität relevanter Größen über eine Zeitspanne im Bereich von Monaten bis zu Tausenden oder Millionen von Jahren. Der klassische Zeitraum zur Mittelung dieser Variablen sind 30 Jahre, wie von der Weltorganisation für Meteorologie definiert. Die relevanten Größen sind zumeist Oberflächenvariablen wie Temperatur, Niederschlag und Wind Klima im weiteren Sinne ist der Zustand, einschließlich einer statistischen Beschreibung, des Klimasystems. {WGI, II, III}

Klimaänderung/Klimawandel (Climate change)

Klimaänderung bezieht sich auf eine Änderung des Klimazustands, die auf Grund von Änderungen des Mittelwertes und/oder des Schwankungsbereiches seiner Eigenschaften identifiziert werden kann (z. B. mit Hilfe von statistischen Tests) und die über einen längeren Zeitraum anhält, typischerweise Jahrzehnte oder länger. Klimaänderung kann durch interne natürliche Prozesse oder durch äußere Antriebe wie Modulationen der Sonnenzyklen, Vulkanausbrüche sowie andauernde anthropogene Änderungen der Zusammensetzung der Atmosphäre oder der Landnutzung zustande kommen. Es ist zu beachten, dass das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in seinem Artikel 1 Klimaänderung definiert als: „Änderungen des Klimas, die unmittelbar oder mittelbar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, welche die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändern, und die zu den über vergleichbare Zeiträume beobachteten natürlichen Klimaschwankungen hinzukommen“ Das UNFCCC unterscheidet demnach zwischen einerseits Klimawandel, der Aktivitäten des Menschen, die die Zusammensetzung der Atmosphäre verändern, zuzuordnen ist, und andererseits Klimavariabilität, die natürlichen Ursachen zuzuordnen ist. {WGI, II, III} Siehe auch Unabwendbarer Klimawandel, Nachweis und Zuordnung.

Klimaextreme (extremes Wetter- bzw. Klimaereignis (Climate extreme (Extreme weather or climate event))

Siehe Extremwetterereignis.

Klimafinanzierung (Climate finance)

Es existiert keine einheitliche Definition von Klimafinanzierung. Der Begriff „Klimafinanzierung“ wird sowohl für die finanziellen Ressourcen verwendet, die aufgewendet werden, um der Klimaänderung global zu begegnen, als auch für Finanzströme in Entwicklungsländer, um diese bei den Aufgaben in Bezug auf die Klimaänderung zu unterstützen. In der Literatur finden sich mehrere Konzepte in diesen Kategorien, von denen folgende häufige Verwendung finden:

Inkrementelle Kosten: Die Kapitalkosten der inkrementellen Investitionen und der Änderung der operativen und Unterhaltungskosten für ein Minderungs- oder Anpassungsprojekt im Vergleich zu einem Referenzprojekt. Sie können als Differenz zwischen den Nettokapital werten der beiden Projekte berechnet werden.

Inkrementelle Investitionen: Das zusätzlich erforderliche Kapital für die Anfangsinvestition eines Minderungs- bzw. Anpassungsprojektes im Vergleich zu einem Referenzprojekt.

Gesamt-Klimafinanzierung: Alle Finanzströme, deren erwarteter Effekt eine Verringerung der Netto-Treibhausgas-Emissionen und/oder eine Erhöhung der Resilienz gegenüber den Folgen von Klimavariabilität und der projizierten Klimaänderung ist. Diese umfassen private und öffentliche Gelder, inländische und internationale Flüsse und Aufwendungen für Minderung und Anpassung an die derzeitige Klimavariabilität sowie die zukünftige Klimaänderung.

Gesamt-Klimafinanzierung, die in Entwicklungsländer fließt: Der Betrag der aus Industrieländern stammenden Gesamt-Klimafinanzierung, die in Entwicklungsländer investiert wird. Dies umfasst private und öffentliche Gelder.

Private Klimafinanzierung, die in Entwicklungsländer fließt: Finanzierung und Investitionen durch den Privatsektor in/aus Industrieländern für Minderungs- und Anpassungsaktivitäten in Entwicklungsländern.

Öffentliche Klimafinanzierung, die in Entwicklungsländer fließt: Von Regierungen der Industrieländer sowie bilateralen und multilateralen Institutionen bereitgestellte Finanzierung für Minderungs- und Anpassungsaktivitäten in Entwicklungsländern. Die meisten der zur Verfügung gestellten Gelder sind konzessionäre Kredite und Zuschüsse. {WGIII}

Klimageschwindigkeit (Climate velocity)

Die Geschwindigkeit, mit der sich Isolinien einer bestimmten Klimavariable aufgrund des Klimawandels über Landschaftsräume bzw. Meereslandschaften bewegen. Beispielsweise ist die Klimageschwindigkeit für Temperatur die Geschwindigkeit, mit der Isotherme sich aufgrund eines sich ändernden Klimas bewegen (km/Jahr) und wird berechnet als zeitliche Temperaturänderung (°C/Jahr) dividiert durch den aktuellen räumlichen Temperaturgradienten (°C/km). Sie kann unter Verwendung zusätzlicher Klimavariablen wie Niederschlag berechnet werden oder auf der klimatischen Nische von Organismen beruhen. {WGII}

Klima-Kohlenstoffkreislauf-Kopplung

Zukünftige, durch Emissionen von Treibhausgasen in die Atmosphäre hervorgerufene Klimaänderungen werden sich auf den globalen Kohlenstoffkreislauf auswirken. Änderungen im globalen Kohlenstoffkreislauf wiederum werden den in der Atmosphäre verbleibenden Anteil an anthropogenen Treibhausgasen beeinflussen und dadurch die atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen, die zu weiteren Klimaänderungen führen. Diese Rückkopplung wird Klima-Kohlenstoffkreislauf-Kopplung genannt. Die erste Generation gekoppelter Klima-Kohlenstoffkreislauf-Modelle liefert Hinweise darauf, dass die weltweite Erwärmung den Anteil des anthropogenen CO₂, der in der Atmosphäre verbleibt, erhöhen wird.

Klimamodell (Spektrum oder Hierarchie) (Climate model (spectrum or hierarchy))

Eine numerische Darstellung des Klimasystems, die auf den physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften seiner Bestandteile und deren Wechselwirkungen und Rückkopplungsprozessen basiert und einige seiner bekannten Eigenschaften berücksichtigt. Das Klimasystem kann von Modellen unterschiedlicher Komplexität dargestellt werden, d.h. für jeden Bestandteil oder eine Kombination von Bestandteilen kann ein Modellspektrum oder eine Modellhierarchie bestimmt werden, die sich in Aspekten unterscheiden wie der Anzahl der räumlichen Dimensionen, dem Ausmaß, in dem physikalische, chemische oder biologische Prozesse explizit dargestellt werden, oder dem Grad, bis zu dem empirische Parametrisierungen eingebunden sind. Gekoppelte Allgemeine Atmosphären-Ozean-Zirkulationsmodelle (AOGCM) bieten eine Darstellung des Klimasystems, die sich nahe dem oder am umfassendsten Ende des derzeit verfügbaren Spektrums befindet. Es gibt eine Entwicklung in Richtung noch komplexerer Modelle mit interaktiver Chemie und Biologie. Klimamodelle werden als Forschungsinstrument verwendet, um das Klima zu untersuchen und zu simulieren, sowie für operative Zwecke, einschließlich monatlicher, saisonaler und jahresübergreifender Klimaprognosen. {WGI, II, III} Siehe auch Erdsystemmodell.

IPCC, 2007, WGI Kapitel 8: Climate Models and Their Evaluation


Klimamuster (Climate pattern)

Ein durch „Projektion“ (Regression) von Klimavariablen auf eine Klimaindex-Zeitreihe erhaltener Satz räumlich variierender Koeffizienten. Sofern der Klimaindex eine Hauptkomponente ist, ist das Klimamuster ein Eigenvektor der Kovarianzmatrix, die in der Klimawissenschaft als Empirische Orthogonale Funktion (EOF) bezeichnet wird. {WGI}

Klimaprognose

Eine Klimaprognose ist das Resultat eines Versuchs, eine Schätzung der effektiven Entwicklung des Klimas in der Zukunft vorzunehmen, z.B. auf saisonaler, jahresübergreifender oder längerfristiger Zeitskala. Weil die zukünftige Entwicklung des Klimasystems stark von den Ausgangsbedingungen abhängen kann, bestehen solche Prognosen in der Regel aus Wahrscheinlichkeitsangaben. Siehe auch Klimaprojektion, Klimaszenario.

Klimaprojektion (Climate projection)

Eine Klimaprojektion ist die simulierte Reaktion des Klimasystems auf ein Szenario zukünftiger Emissionen oder Konzentration von Treibhausgasen und Aerosolen, häufig basierend auf Klimamodellen Klimaprojektionen werden von Klimaprognosen durch ihre Abhängigkeit von den verwendeten Emissions-/Konzentrations-/Strahlungsantriebsszenarien unterschieden, die wiederum auf Annahmen, beispielsweise über zukünftige sozioökonomische und technologische Entwicklungen, beruhen, die eintreten können oder auch nicht. {WGI, II, III} Siehe auch Klimaszenario.

Klimareaktion (Climate response)

Siehe Klimasensitivität.

Klimarahmenkonvention

Siehe Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC).

Klimaresiliente Pfade (Climate-resilient pathways)

Iterative Prozesse für die Bewältigung von Änderungen innerhalb eines komplexen Systems, mit dem Ziel, die mit dem Klimawandel verbundenen Störungen zu verringern und Chancen zu steigern. {WGII}

Klimarückkopplung (Climate (change) feedback)

Eine Wechselwirkung, bei der eine Störung einer klimatischen Größe Änderungen in einer zweiten solchen verursacht und die Änderungen der zweiten Größe letztlich zu einer zusätzlichen Änderung der ersten führen. Bei einer negativen Rückkopplung wird die ursprüngliche Störung durch die von ihr verursachten Änderungen abgeschwächt; bei einer positiven Rückkopplung wird die ursprüngliche Störung verstärkt. Im Fünften Sachstandsbericht wird häufig eine etwas engere Definition verwendet, bei der die betroffene klimatische Größe die mittlere globale Oberflächentemperatur ist, die im Gegenzug Änderungen im globalen Strahlungshaushalt verursacht. In jedem Fall kann die ursprüngliche Störung entweder durch äußere Antriebe oder als Teil der internen Variabilität entstehen. {WGI, II, III}

Klimaschutz (Mitigation)

Siehe Minderung (des Klimawandels)/Klimaschutz.

Klimaschwankung (Climate variability)

Siehe Klimavariabilität/Klimaschwankung.

Klimasensitivität (Climate sensitivity)

In IPCC-Berichten bezieht sich die Gleichgewichts-Klimasensitivität (Einheit: °C) auf die Gleichgewichtsänderung (Änderung des stabilen Zustandes) der jährlichen mittleren globalen Oberflächentemperatur als Folge einer Verdoppelung der atmosphärischen CO2-Äquivalente-Konzentration. Aufgrund von rechentechnischen Einschränkungen wird die Gleichgewichts-Klimasensitivität in einem Klimamodell manchmal geschätzt, indem ein atmosphärisches allgemeines Zirkulationsmodell mit einem Mischungsschicht-Ozeanmodell gekoppelt wird, da die Gleichgewichts-Klimasensitivität weitgehend durch atmosphärische Prozesse bestimmt wird. Effiziente Modelle können mit einem dynamischen Ozean bis zum Gleichgewicht betrieben werden. Der Klimasensitivitätsparameter (Einheit: °C (Wm-2)-1) bezieht sich auf die Gleichgewichtsänderung der jährlichen mittleren globalen Oberflächentemperatur aufgrund einer Änderung des Strahlungsantriebs um eine Einheit.
Die effektive Klimasensitivität (Einheit: °C) ist eine Schätzung der Reaktion der mittleren globalen Oberflächentemperatur auf verdoppelte CO2-Konzentrationen, die aus Modellergebnissen oder Beobachtungen der Entwicklung unter Nichtgleichgewichtsbedingungen abgeleitet werden. Sie ist ein Maß der Stärke von Klimarückkopplungen zu einem bestimmten Zeitpunkt und kann entsprechend der Antriebshistorie und des Klima-Zustandes schwanken und sich deshalb von der Gleichgewichts-Klimasensitivität unterscheiden.
Die vorübergehende Reaktion des Klimasystems (Einheit: °C) ist die Veränderung der mittleren globalen Oberflächentemperatur, gemittelt über einen 20-Jahres-Zeitraum, zentriert auf den Zeitpunkt der atmosphärischen CO2-Verdoppelung, in einer Klimamodellsimulation, in der das CO2 um 1 % pro Jahr steigt. Sie ist ein Maß der Stärke und Geschwindigkeit der Reaktion der Oberflächentemperatur auf den Antrieb durch Treibhausgase. {WGI, II, III}

Klimasystem (Climate system)

Das Klimasystem ist das höchst komplexe System, das aus fünf Hauptbestandteilen besteht: der Atmosphäre, der Hydrosphäre, der Kryosphäre, der Lithosphäre und der Biosphäre, sowie den Wechselbeziehungen zwischen diesen. Das Klimasystem verändert sich über die Zeit unter dem Einfluss seiner eigenen inneren Dynamik und durch äußere Antriebe wie Vulkanausbrüche, solare Schwankungen und anthropogene Einflüsse wie die Änderung in der Zusammensetzung der Atmosphäre und der Landnutzungsänderung. {WGI, II, III}

Klimaszenario (Climate scenario)

Eine plausible und häufig vereinfachte Darstellung des zukünftigen Klimas, basierend auf einer in sich konsistenten Reihe klimatologischer Beziehungen, die ausdrücklich zur Anwendung bei der Untersuchung der potenziellen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels erstellt wurde. Sie dient häufig als Vorgabe für Folgenmodelle Klimaprojektionen dienen häufig als Rohmaterial für die Erstellung von Klimaszenarien, jedoch erfordern Klimaszenarien zusätzliche Informationen wie das derzeit beobachtete Klima. {WGI, II, III} Siehe auch Basis/Referenz, Emissionsszenario, Minderungsszenario, Repräsentative Konzentrationspfade (RCP), Szenario, SRES-Szenarien und Stabilisierung-

Klimatische Treiber (Climatic driver (climate driver))

Ein sich ändernder Aspekt des Klimasystems, der eine Komponente eines natürlichen Systems oder eines solchen des Menschen beeinflusst. {WGII}

Klimavariabilität/Klimaschwankung (Climate variability)

Klimavariabilität bezieht sich auf Schwankungen des mittleren Zustandes und anderer statistischer Größen (wie z B Standardabweichungen, das Auftreten von Extremereignissen usw.) des Klimas auf allen räumlichen und zeitlichen Skalen, die über einzelne Wetterereignisse hinausgehen Variabilität kann durch natürliche interne Prozesse innerhalb des Klimasystems (interne Variabilität) oder durch natürliche oder anthropogene äußere Antriebe (externe Variabilität) begründet sein. {WGI, II, III} Siehe auch Klimaänderung/Klimawandel

(Klima-)variabilitätsmodus (Mode of climate variability)

Zugrunde liegende Raum-Zeit-Struktur mit bevorzugtem räumlichem Muster und zeitlicher Schwankung, die hilft, die vorherrschenden Merkmale der Varianz und Telekonnektionen zu erklären. Ein Variabilitätsmodus wird häufig als Produkt eines räumlichen Klimamusters und einer damit verbundenen Klimaindex-Zeitreihe betrachtet. {WGI}

Klimaverschiebung

Eine abrupte Verschiebung oder ein Sprung in den Durchschnittswerten, die eine Veränderung im Klimaregime anzeigen (siehe Muster der Klimavariabilität). Am meisten in Verbindung mit der Klimaverschiebung 1976/1977 verwendet, die einer Veränderung im Verhalten der El Niño-Southern Oscillation (ENSO) entsprechen zu scheint.

Klimawandel (Climate change)

Siehe Klimaänderung/Klimawandel.

Klimawirksame Schadstoffe (Climate-altering pollutants (CAPs))

Durch Aktivitäten des Menschen freigesetzte Gase und Partikel, die das Klima entweder direkt, durch Mechanismen wie den Strahlungsantrieb aufgrund von Änderungen der Treibhausgaskonzentrationen, oder indirekt, beispielsweise durch eine Beeinflussung der Wolkenbildung oder die Lebensdauer von Treibhausgasen in der Atmosphäre, beeinflussen. Dazu gehören sowohl jene Schadstoffe, die einen erwärmenden Effekt auf die Atmosphäre haben, wie CO2, als auch jene mit abkühlenden Effekten, wie Sulfate. {WGII}

Kohlendioxid (CO2) (Carbon dioxide)

Ein natürlich auftretendes Gas, auch ein Nebenprodukt der Verbrennung fossiler Brennstoffe aus fossilen Kohlenstoffspeichern wie Öl, Gas und Kohle, der Verbrennung von Biomasse, von Landnutzungsänderungen und industriellen Prozessen (z. B. Zementproduktion). Es ist das wichtigste anthropogene Treibhausgas, welches das Strahlungsgleichgewicht der Erde beeinflusst. Es ist das Referenzgas, gegen das andere Treibhausgase gemessen werden und hat daher ein Globales Erwärmungspotenzial (GWP) von 1. {WGI, II, III}

Kohlendioxid (CO2)-Düngung (Carbon dioxide (CO2) fertilization)

Die Förderung des Pflanzenwachstums als Folge einer erhöhten atmosphärischen Kohlendioxid (CO2)-Konzentration. {WGII}

Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (Carbon Dioxide Capture and Storage, CCS)

Ein Verfahren, in dem ein relativ reiner Kohlendioxidstrom aus industriellen und energetischen Quellen abgeschieden (aufgefangen), aufbereitet, hochverdichtet und in eine Lagerstätte zur langfristigen Isolation von der Atmosphäre geleitet wird. Siehe auch Bioenergie mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (BECCS) und Sequestrierung. {WGIII}

Kohlendioxid- (CO2)-Düngung

Verstärktes Pflanzenwachstum als Folge einer gestiegenen atmosphärischen Kohlendioxid- (CO2)-Konzentration. Abhängig von ihrem Photosynthesemechanismus sind bestimmte Pflanzentypen empfindlicher gegenüber Veränderungen der atmosphärischen CO2-Konzentration.

Kohlendioxid-Leckage

Der Teil an Emissionsminderungen in Annex B-Ländern, der durch einen Anstieg der Emissionen in Ländern ohne Reduktionsverpflichtung über ihre Referenzniveaus hinaus aufgewogen werden könnte. Dies kann geschehen durch 1) Verlagerung energieintensiver Produktion in Regionen ohne Reduktionsverpflichtung; 2) verstärkte Nutzung fossiler Brennstoffe in diesen Regionen aufgrund eines durch die niedrigere Nachfrage erzeugten Rückgangs der internationalen Öl- und Gaspreise; und 3) Einkommensänderungen (und dadurch Änderungen der Energienachfrage) aufgrund besserer Handelsbedingungen.

Kohlenstoffintensität (Carbon intensity)

Die Menge an Emissionen von Kohlendioxid, die pro Einheit einer weiteren Variablen wie Bruttoinlandsprodukt (BIP), Endenergienutzung oder Transport freigesetzt wird. {WGIII}

Kohlenstoffkreislauf (Carbon cycle)

Der zur Beschreibung des Kohlenstoffflusses (in verschiedenen Formen, z.B. als Kohlendioxid (CO2) durch die Atmosphäre, das Meer, die terrestrische und marine Biosphäre und die Lithosphäre verwendete Begriff. In diesem Bericht ist die Referenzeinheit für den globalen Kohlenstoffkreislauf Gt CO2 bzw. GtC (Gigatonne Kohlenstoff = 1 GtC = 1015 Gramm Kohlenstoff Dies entspricht 3,667 Gt CO2). {WGI, II, III}

Kohlenstoffpreis/CO2-Preis (Carbon price)

Der Preis für vermiedene oder ausgestoßene Kohlendioxid (CO2) bzw. CO2-Äquivalente-Emissionen. Dieser kann sich auf die Höhe einer Kohlenstoffsteuer/CO2-Steuer oder auf den Preis von Emissionsrechten beziehen. In vielen Modellen, auf denen die Abschätzungen der ökonomischen Kosten von Klimaschutz beruhen, fungieren Kohlenstoffpreise als Proxy für die Darstellung des Grades der Klimaschutzanstrengungen. {WGIII}

Kohlenstoffsteuer/CO2-Steuer (Carbon tax)

Eine Abgabe auf den Kohlenstoffgehalt fossiler Brennstoffe. Da nahezu sämtlicher Kohlenstoff in fossilen Brennstoffen schlussendlich als Kohlendioxid (CO2) abgegeben wird, ist eine Kohlenstoffsteuer äquivalent zu einer Emissionssteuer auf CO2-Emissionen. {WGIII}

Kompatible Emissionen (Compatible emissions)

Erdsystemmodelle, die den Kohlenstoffkreislauf von Land und Ozean simulieren, können CO2-Emissionen berechnen, die mit einem vorgegebenen atmosphärischen CO2-Konzentrationsverlauf kompatibel sind. Die kompatiblen Emissionen über einen bestimmten Zeitraum entsprechen dem Kohlenstoffanstieg über denselben Zeitraum in der Gesamtheit der drei aktiven Reservoire: Atmosphäre, Land und Ozean. {WGI}

Koralle

Der Begriff Koralle hat mehrere Bedeutungen, ist aber üblicherweise ein gebräuchlicher Name für die Ordnung der Scleractinia, deren Mitglieder über ein hartes Kalkskelett verfügen und bei denen riffbildende und nicht-riffbildende sowie Kalt- und Warmwasserkorallen unterschieden werden können. Siehe Korallenbleiche; Korallenriffe.

Korallenbleiche (Coral bleaching)

Verlust der Korallenpigmentierung durch den Verlust der intrazellularen symbiotischen Algen (bekannt als Zooxanthellen) und/oder Verlust ihrer Pigmente. {WGII}

Korallenriffe

Felsartige Kalkstrukturen, die von Korallen entlang von Meeresküsten (Riffe in Randzonen) oder auf flachen Unterwasserbänken oder Felsbänken (Wallriffe, Atolle) geschaffen werden und in tropischen und subtropischen Ozeanen am deutlichsten zu sehen sind.

Kosteneffizienz (Cost effectiveness)

Eine Maßnahme ist kosteneffizienter, wenn sie ein vorgegebenes Ziel mit einem geringeren Kostenaufwand erreicht. Integrierte Modelle nähern sich kosteneffizienten Lösungen an, sofern sie nicht anderweitig ausdrücklich auf bestimmte Parameter festgelegt sind. Kosteneffiziente Minderungsszenarien beruhen auf einem stilisierten Implementierungsansatz, bei dem ein einheitlicher Preis für Kohlendioxid und andere Treibhausgase global für jeden Sektor jedes Landes angewandt und dieser über die Zeit so erhöht wird, dass die geringsten global diskontierten Kosten erreicht werden. {WGIII}

Kosten-Nutzen-Analyse (Cost-benefit analysis (CBA))

Monetäre Erfassung aller negativen und positiven Folgen, die mit einer bestimmten Handlung verbunden sind. Kosten und Nutzen werden hinsichtlich ihrer Unterschiede und/oder ihres Verhältnisses verglichen, um einen Indikator dafür zu erhalten, inwiefern sich eine bestimmte Investition oder sonstiges politisches Vorhaben vom gesellschaftlichen Standpunkt aus betrachtet auszahlt. {WGIII}

Kosten-Wirksamkeits-Analyse (Cost-effectiveness analysis (CEA))

Ein auf Optimierung unter Nebenbedingungen beruhendes Instrument für den Vergleich von Politikinstrumenten, die ein vorgegebenes Ziel erfüllen sollen. {WGIII}

Kraft-Wärme-Kopplung (Cogeneration)

Kraft-Wärme-Kopplung ist die gleichzeitige Erzeugung und nutzbringende Anwendung von Elektrizität und Nutzwärme. {WGIII}

Kryosphäre (Cryosphere)

Alle Regionen auf und unterhalb der Erd- und Meeresoberfläche, in denen Wasser in fester Form vorhanden ist, einschließlich Meereis, Seeeis, Flusseis, Schneedecken, Gletscher und Eisschilde, sowie gefrorener Untergrund (einschließlich Permafrost). {WGI}

Kyoto-Mechanismen (auch als Flexible Mechanismen bezeichnet) (Kyoto Mechanisms (also referred to as Flexibility Mechanisms))

Auf Marktprinzipien beruhende Mechanismen, die die Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls nutzen können, um die potenziellen wirtschaftlichen Folgen der Erfordernisse bezüglich der Begrenzung bzw. Minderung von Treibhausgasemissionen zu verringern. Dazu gehören Joint Implementation (JI) (Artikel 6), Clean Development Mechanism (CDM) (Artikel 12) und Emissionshandel (Artikel 17). {WGIII}

Kyoto-Protokoll (Kyoto Protocol)

Das Kyoto-Protokoll zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) wurde 1997 auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz zum UNFCCC in Kyoto, Japan angenommen. Es enthält rechtlich bindende Verpflichtungen in Ergänzung zu den im UNFCCC enthaltenen Länder, die in Annex-B des Protokolls aufgeführt sind (die meisten OECD-Staaten und Transformationsländer) vereinbarten eine Reduktion ihrer anthropogenen Treibhausgasemissionen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas, Fluorkohlenwasserstoffe und perfluorierte Kohlenwasserstoffe sowie Schwefelhexafluorid) um mindestens 5 % unter den Stand von 1990 innerhalb des Verpflichtungszeitraums von 2008 bis 2012 Das Kyoto-Protokoll trat am 16. Februar 2005 in Kraft. {WGIII}