Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

L.

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Lachgas (N2O) (Nitrous oxide)

Eines der sechs Treibhausgase, die nach dem Kyoto-Protokoll zu mindern sind. Die anthropogene Hauptquelle von Lachgas ist die Landwirtschaft (Bewirtschaftung von Böden und Viehdung), es kommen aber auch bedeutende Beiträge aus der Abwasserbehandlung, der Verbrennung fossiler Brennstoffe und chemischen Industrieprozessen N2O wird auch auf natürlichem Weg aus einer Vielzahl biologischer Quellen in Boden und Wasser produziert, insbesondere durch mikrobielle Aktivität in feuchten tropischen Wäldern. {WGI, III} Siehe auch Globales Erwärmungspotenzial (GWP) und AR5 WGIII Anhang II 9.1 zu den GWP-Werten.

Landnutzung und Landnutzungsänderung (Land use and Land use change)

Landnutzung bezieht sich auf die Gesamtheit der Einteilungen, Aktivitäten und Einträge, die in einem bestimmten Landbedeckungstyp vorgenommen werden (eine Reihe Aktivitäten des Menschen). Der Begriff Landnutzung wird auch im Sinne des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwecks, für den Land bewirtschaftet wird, verwendet (z.B. Weidewirtschaft, Holzernte, Naturschutz). In urbanen Siedlungen bezieht er sich auf Landnutzungen in Städten und deren Umland. Urbane Landnutzung hat Folgen für die Verwaltung, Struktur und Form der Stadt und daher unter anderem auf Energiebedarf, Treibhausgasemissionen und Mobilität. {WGI, II, III}

Landnutzungsänderung (Land use change, LUC) bezeichnet eine Änderung in der Nutzung bzw. der Bewirtschaftung von Land durch Menschen, was zu einer Änderung der Landbedeckung führen kann. Landbedeckungs- und Landnutzungsänderungen können Folgen für die Oberflächen-Albedo, Evapotranspiration, Quellen und Senken von Treibhausgasen oder andere Eigenschaften des Klimasystems haben und können deshalb Strahlungsantrieb und/oder andere Folgen für das lokale oder globale Klima erzeugen. Siehe auch den IPCC-Sonderbericht zu Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft. (IPCC, 2000b)

Indirekte Landnutzungsänderung (indirect land usechange, iLUC) bezieht sich auf Verlagerungen von Landnutzung, die durch eine Änderung des Produktionsniveaus eines landwirtschaftlichen Produktes anderenorts veranlasst wurden, oft durch Märkte vermittelt oder durch Politikinstrumente herbeigeführt. Wenn beispielsweise landwirtschaftliche Flächen für die Treibstofferzeugung umgewidmet werden, kann dies eine Rodung von Wald an anderer Stelle zur Folge haben, um die frühere landwirtschaftliche Produktion zu ersetzen. Siehe auch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung (AFOLU), Aufforstung, Entwaldung und Wiederaufforstung.

IPCC-Sonderbericht: Land Use, Land-Use Change and Forestry


Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Land use, land use change and forestry, LULUCF)

Ein Treibhausgas-Inventar-Sektor, der Emissionen und Entnahmen von Treibhausgasen aus direkter, durch den Menschen induzierter Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft mit Ausnahme landwirtschaftlicher Emissionen einschließt. {WGIII} Siehe auch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung (AFOLU)

Landoberflächentemperatur (Land surface air temperature)

Die Lufttemperatur an der Erdoberfläche, gemessen in gut belüfteten Screens über Land in einer Höhe von 1,5 Metern über dem Boden. {WGI}

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung (Agriculture, Forestry and Other Land Use, AFOLU)

AFOLU spielt eine zentrale Rolle für Ernährungssicherheit und nachhaltige Entwicklung. Die wesentlichen Optionen für Minderung im AFOLU-Sektor beinhalten eine oder mehrere von drei Strategien: Vermeidung von Emissionen in die Atmosphäre durch Konservierung der bestehenden Kohlenstoffreservoire in Böden oder Vegetation bzw. durch Verringerung der Emissionen von Methan und Lachgas; Sequestrierung – Vergrößerung bestehender Kohlenstoffreservoire und damit einhergehenden Entzug von Kohlendioxid aus der Atmosphäre; und Substitution – Ersetzen fossiler Brennstoffe bzw. energieintensiver Produkte durch biologische Produkte und damit Verringerung der CO2-Emissionen. Nachfrageseitige Maßnahmen (z.B. eine Verringerung von Nahrungsmittelverlusten und -abfällen, Änderungen von Ernährungsmustern oder im Holzverbrauch) können ebenfalls eine Rolle spielen FOLU (Forstwirtschaft und andere Landnutzung) – auch als LULUCF (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) bezeichnet – bezeichnet die Teilmenge der AFOLU-Emissionen und -Entnahmen von Treibhausgasen, welche direkt aus durch den Menschen induzierter Landnutzung, Landnutzungsänderung und forstwirtschaftlichen Aktivitäten resultieren, unter Ausschluss landwirtschaftlicher Emissionen. {WGIII}

Landwirtschaftliche Emissionen (Agricultural emissions)

Siehe Emissionen. {WGIII}

Lastenteilung (Burden sharing (also referred to as Effort sharing))

Im Kontext von Minderung des Klimawandels bezieht sich Lastenteilung auf eine Teilung der Anstrengungen zur Verringerung der Quellen bzw. Verstärkung der Senken von Treibhausgasen bezogen auf historische oder projizierte Niveaus – normalerweise zugeteilt aufgrund bestimmter Kriterien – sowie auf eine Verteilung der Kostenlast unter den Ländern. {WGIII}

Learning by Doing

Während Forscher und Firmen mit einem neuen technologischen Prozess vertraut werden oder durch ausgeweitete Produktion Erfahrungen sammeln, können sie Wege zur Verbesserung von Prozessen und zur Kostenreduzierung entdecken. „Learning by Doing“ ist eine Art erfahrungsbasierter Technologiewandel.

Leckage (Leakage)

Phänomen, bei dem die mit der Umsetzung von Minderungsmaßnahmen (verglichen mit einer Basis/Referenz) verbundene Emissionsminderung in einem Hoheitsbereich/Sektor bis zu einem gewissen Grad durch einen Anstieg außerhalb des Hoheitsbereiches/Sektors durch induzierte Änderungen von Verbrauch, Produktion, Preisen, Landnutzung und/oder Handel unter den Hoheitsbereichen/Sektoren kompensiert wird. Eine Leckage kann auf einer Vielzahl von Ebenen auftreten, sei es ein Projekt, ein Staat, eine Provinz, eine Nation oder eine Weltregion.
Im Kontext von Kohlendioxidabscheidung und Speicherung (CCS) bezieht sich eine CO2-Leckage auf das Entweichen von eingebrachtem Kohlendioxid (CO2) aus einem Speicher und dessen allmählicher Freisetzung in die Atmosphäre. Im Zusammenhang mit anderen Substanzen wird der Begriff eher allgemein verwendet, wie für eine Methan-Leckage (z.B. bei der Extraktion von fossilen Brennstoffen) und eine Leckage teilhalogenierter Fluorkohlenwasserstoffe (z.B. aus Kühlungs- und Klimaanlagen). {WGIII}

Leistungsdichte der Sonneneinstrahlung (Total solar irradiance,TSI)

Die gesamte Menge an Sonneneinstrahlung in Watt pro Quadratmeter, die außerhalb der Erdatmosphäre in mittlerer Entfernung der Erde zur Sonne auf eine zur einfallenden Strahlung senkrecht stehenden Fläche auftrifft.
Verlässliche Messungen der Sonneneinstrahlung können nur aus dem Weltraum erfolgen, und präzise Aufzeichnungen reichen lediglich bis 1978 zurück. Der allgemein angenommene Wert ist 1368 W/m2 mit einer Genauigkeit von ungefähr 0,2 %. Er wurde kürzlich auf 1360,8 ± 0,5 W/m2 für das solare Minimum von 2008 geschätzt. Abweichungen von wenigen Zehnteln eines Prozents sind üblich, normalerweise verbunden mit dem Durchzug von Sonnenflecken über die Sonnenscheibe. Die Schwankung der TSI über den Sonnenfleckenzyklus liegt in der Größenordnung von 0,1 %. (AMS, 2000) Veränderungen des ultravioletten Anteils des Spektrums während eines Sonnenfleckenzyklus sind vergleichsweise größer (Prozent) als diejenigen der TSI. {WGI}

Letzte Zwischeneiszeit

Siehe Zwischeneiszeiten.

Lithosphäre

Ein Teil des Klimasystems, der die oberste Schicht der Erdkruste, sowohl auf Kontinenten als auch unter dem Ozean, umfasst und alles Krustengestein und den kalten, meist elastischen Teil des obersten Erdmantels einschließt. Vulkanaktivität wird nicht als Teil des Klimasystems betrachtet, obwohl sie Teil der Lithosphäre ist, sondern als äußerer Antrieb betrachtet.

Lock-In (Lock-in)

Ein Lock-In-Effekt (Anbindeeffekt) tritt auf, wenn ein Markt an einen Standard gebunden ist, obwohl seine Teilnehmer mit einer Alternative besser gestellt wären. {WGIII}

Low-Regret-Politikinstrument (Low regrets policy)

Politikinstrument, welches unter dem derzeitigen Klima und einer Bandbreite zukünftiger Klimawandelszenarien einen sozialen und/oder wirtschaftlichen Nettonutzen generieren würde. {WGII}