Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

R.

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Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC)

Die Konvention wurde am 9. Mai 1992 in New York verabschiedet und am Weltgipfel von 1992 in Rio de Janeiro von über 150 Ländern und der Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet Ihr ultimatives Ziel ist die „Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird” Es umfasst Verpflichtungserklärungen aller Parteien nach dem Prinzip der „gemeinsamen aber differenzierten Verantwortung“ Unter der Konvention zielen die in Annex I enthaltenen Länder darauf ab, die Treibhausgasemissionen, die nicht über das Montreal-Protokoll geregelt werden, bis 2000 auf das Niveau von 1990 zurückzuführen Die Konvention ist im März 1994 in Kraft getreten 1997 verabschiedete UNFCCC das KyotoProtokoll {WGII, III}

Rasche Angleichung (Rapid adjustment)

Die Reaktion auf einen das Klimasystem störenden Faktor, die direkt von dem Faktor verursacht wird, unabhängig von jeglicher Änderung der mittleren globalen Oberflächentemperatur So können beispielsweise Kohlendioxid und Aerosole durch Änderungen der internen atmosphärischen Aufheiz- und Abkühlgeschwindigkeit Verän derungen der Wolkendecke und anderer Variablen verursachen und dadurch einen Strahlungseffekt produzieren, selbst bei Fehlen jeglicher Oberflächenerwärmung oder -abkühlung Angleichungen erfolgen rasch in dem Sinne, dass sie unmittelbar beginnen, bevor Klimarückkopplungen, die von einer Erwärmung angetrieben werden, auftreten (obwohl einige dieser Angleichungen eventuell längere Zeit brauchen, um zum Abschluss zu gelangen, zum Beispiel jene, die Vegetation oder Eisschilde involvieren) Sie wird auch als rasche Reaktion oder schnelle Angleichung bezeichnet Zu weiteren Erläuterungen des Begriffes, siehe WGI Abschnitt 7 1 und 8 1 {WGI}

Rasche dynamische Änderung (von Gletschern oder Eisschilden) (Rapid dynamical change (of glaciers or ice sheets))

Änderungen von Gletscher- oder Eisschildmasse, die eher von Änderungen in der Fließgeschwindigkeit und des Austrags als durch Akkumulation oder Ablation kontrolliert werden Dies kann zu einer Massenänderungsrate führen, die höher ist als jene aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Akkumulation und Ablation Rasche dyna mische Änderungen können durch einen klimatischen Auslöser angestoßen werden, wie der Einbruch von warmem Meerwasser unter Schelfeis oder das Ausdünnen einer darunter aufliegenden Meeresgletscherschnauze, was zu Reaktionen innerhalb des Gletschersystems führen kann, die einen schnellen Eisverlust zur Folge haben {WGI} Siehe auch Massenbilanz (von Gletschern oder Eisschilden)

Räumliche und zeitliche Skalen

Das Klima kann in einem weiten Spektrum von räumlichen und zeitlichen Skalen schwanken. Räumliche Skalen können von lokal (weniger als 100.000 km²) über regional (100.000 bis 10 Mio. km²) bis zu kontinental (10 bis 100 Mio. km²) variieren. Zeiträume variieren von saisonal bis zu geologisch (Hunderte von Millionen Jahren).

Reaktion des Klimasystems

Siehe Klimasensitivität.

Rebound-Effekt (Rebound effect)

Phänomen, bei dem die mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Minderung in ihrem Geltungsbereich verbundene Verringerung des Energieverbrauchs oder von Emissionen (bezogen auf eine Basis/Referenz) bis zu einem gewissen Grad durch induzierte Änderungen in Verbrauch, Produktion und Preisen innerhalb desselben Bereiches aufgehoben wird Der Rebound-Effekt wird typischerweise technologischen Verbesserungen der Energieeffizienz zugeschrieben {WGIII} Siehe auch Leckage

Referenzwert oder -szenario

Bezugsgröße für messbare Größen, an der ein alternatives Ergebnis gemessen werden kann, z.B. die Verwendung eines Szenarios ohne Intervention als Referenz für die Analyse von Interventionsszenarien.

Region (Region)

Eine Region ist ein durch spezifische geographische und klimatologische Strukturen charakterisiertes Gebiet. Das Klima einer Region wird durch regionale und lokale Eigenschaften beeinflusst, wie Topographie, Landnutzungsmerkmale und Seen, sowie entfernte Einflüsse aus anderen Regionen. {WGI}

Rekonstruktion (einer Klimavariablen) (Reconstruction (of climate variable))

Ansatz, um vergangene zeitliche und räumliche Werte einer Klimavariablen aus Prädiktorvariablen zu rekonstruieren Prädiktoren können instrumentelle Daten sein, sofern die Rekonstruktion verwendet wird, um fehlende Daten zu ergänzen oder Proxy-Daten, sofern sie verwendet wird, um paläoklimatische Rekonstruktionen zu entwickeln. Für diesen Zweck wurden unterschiedliche Techniken entwickelt: auf linearer multivariater Regression basierende Methoden sowie nichtlineare Bayessche und analoge Methoden. {WGI}

Repräsentative Konzentrationspfade (Representative Concentration Pathways, RCP)

Szenarien, die Zeitreihen von Emissionen und Konzentrationen sämtlicher Treibhausgase, Aerosole und chemisch aktiven Gase sowie Landnutzung/Landbedeckung mit einschließen. (Moss et al , 2008) Das Wort repräsentativ verdeutlicht, dass jeder RCP lediglich eines von vielen möglichen Szenarien darstellt, die zu den spezifischen Eigenschaften des Strahlungsantriebs führen würden. Der Begriff Pfad stellt heraus, dass nicht nur die langfristigen Konzentrationsniveaus von Interesse sind, sondern auch der über die Zeit eingeschlagene Weg, um dieses Ergebnis zu erreichen. (Moss et al , 2010)
RCP beziehen sich normalerweise auf den Teil des Konzentrationspfades, der sich bis 2100 erstreckt, für den integrierte Bewertungsmodelle entsprechende Emissionsszenarien entwickelt haben. Erweiterte Konzentrationspfade (ECP) beschreiben Erweiterungen der RCP von 2100 bis 2500, die unter Verwendung einfacher Regeln berechnet wurden, die nach Rücksprache mit Interessengruppengeneriert wurden und keine vollständig konsistenten Szenarien darstellen.
Vier RCP, die aus Integrierten Bewertungsmodellen entwickelt wurden, wurden aus der veröffentlichten Literatur ausgewählt und werden im vorliegenden Sachstandsbericht des IPCC als Grundlage für die Klimaprognosen und -projektionen, die in WGI AR5 Kapitel 11 bis 14 (IPCC, 2013b) vorgelegt werden, herangezogen:

RCP2.6: Ein Pfad, bei dem der Strahlungsantrieb den Höchststand von etwa 3 W/m2 vor 2100 erreicht und danach abnimmt (der entsprechende ECP geht von konstanten Emissionen nach 2100 aus).

RCP4.5 und RCP6.0: Zwei intermediäre Stabilisierungspfade, in denen der Strahlungsantrieb auf etwa 4,5 W/m2 und 6,0 W/m2 nach 2100 stabilisiert wird (wobei die entsprechenden ECP von konstanten Konzentrationen nach 2150 ausgehen).

RCP8.5: Ein hoher Pfad, bei dem der Strahlungsantrieb > 8,5 W/m2 um 2100 erreicht und für eine gewisse Zeit weiter ansteigt (wobei der entsprechende ECP von konstanten Emissionen nach 2100 und konstanten Konzentrationen nach 2250 ausgeht). Für eine nähere Beschreibung der Zukunftsszenarien siehe WGI, AR5, Box 1.1. Siehe auch van Vuuren et al, 2011. {WGI, II, III}

Reservoir (Reservoir)

Eine Komponente des Klimasystems (nicht die Atmosphäre) mit der Fähigkeit zur Speicherung, Ansammlung oder Freigabe einer bestimmten Substanz, zum Beispiel Kohlendioxid, ein Treibhausgas oder einen Vorläufer Ozeane, Böden und Wälder sind Beispiele für Kohlenstoffreservoire. Pool ist ein äquivalenter Begriff (es ist zu beachten, dass die Definition von Pool häufig die Atmosphäre einschließt). Die absolute Menge der zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Reservoir gespeicherten betreffenden Substanz wird Vorrat genannt. Im Kontext von Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (CCS) wird dieser Begriff gelegentlich verwendet, um auf eine geologische Formation zur Kohlendioxidspeicherung zu verweisen. {WGIII}

Resilienz (Resilience)

Die Fähigkeit von sozialen, Wirtschafts- oder Umweltsystemen, ein gefährliches Ereignis bzw. einen solchen Trend oder eine Störung zu bewältigen und dabei derart zu reagieren bzw. sich zu reorganisieren, dass ihre Grundfunktion, Identität und Struktur erhalten bleibt und sie sich gleichzeitig die Fähigkeit zur Anpassung, zum Lernen und zur Transformation bewahren. {WGII, III}

Risiko (Risk)

Das Potenzial für Auswirkungen, wobei etwas von Wert betroffen und der Ausgang ungewiss ist, unter Anerkennung der Vielfalt von Werten 10 Risiko wird häufig als Wahrscheinlichkeit des Auftretens gefährlicher Ereignisse oder Trends multipliziert mit den Folgen bei Eintreten dieser Ereignisse oder Trends dargestellt. Der IPCC verwendet diesen Begriff häufig, um das Potenzial für negative Auswirkungen auf Leben, Existenzgrundlagen, Gesundheit, Ökosysteme und Arten, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vermögenswerte, Dienstleistungen (einschließlich Umweltdienstleistungen) und Infrastruktur zu beschreiben, wenn der Ausgang unsicher ist. {SYR}

Risikobewertung (Risk assessment)

Die qualitative und/oder quantitative wissenschaftliche Schätzung von Risiken. {WGII}

Risikomanagement (Risk management)

Die Pläne, Maßnahmen oder Strategien, um die Wahrscheinlichkeit und/oder Folgen von Risiken zu verringern bzw. auf Folgen zu reagieren. {WGII}

Risikowahrnehmung (Risk perception)

Das subjektive Urteil, das sich Menschen über die Eigenschaften und das Ausmaß eines Risikos bilden. {WGII}

Rückkopplung (Feedback)

Siehe Klimarückkopplung.

Ruß (Black carbon, BC)

Operativ definierte Aerosol-Art, basierend auf der Messung von Lichtabsorption und chemischer Reaktion und/oder thermischer Stabilität. {WGI, III} Ruß bildet sich zumeist durch die unvollständige Verbrennung fossiler Brennstoffe, Biotreibstoffe und Biomasse, tritt aber auch in der Natur auf. Er verbleibt lediglich für Tage oder Wochen in der Atmosphäre. Er ist der am stärksten lichtabsorbierende Bestandteil von Feinstaub und hat einen wärmenden Effekt durch die Absorption von Wärme in die Atmosphäre und die Verringerung der Albedo bei Ablagerung auf Eis oder Schnee. {WGIII}