Glossar Klimaänderung

Das folgende Glossar ist zusammengestellt aus den Glossaren des IPCC-Syntheseberichts Klimaänderung 2007, des IPCC-Berichts Klimaänderung 2007 - Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger sowie IPCC, 2013/14: Anhang zu den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger der Beiträge der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) . Deutsche Übersetzung durch Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn, 2016.

T.

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Technologie

Die praktische Anwendung von Wissen, um bestimmte Aufgaben zu erledigen, die sowohl technische Erzeugnisse (Hardware, Ausrüstung) als auch (soziale) Information („Software“, Fachwissen über die Herstellung und Nutzung der Erzeugnisse) heranzieht.

Technologietransfer

Der Austausch von Wissen, Hardware und der damit verbundenen Software, Geld und Waren unter Interessensgruppen, der zur Verbreitung von Anpassungs- oder Emissionsminderungstechnologie führt. Der Begriff umfasst sowohl die Verbreitung von Technologien als auch technologische Zusammenarbeit zwischen und innerhalb von Ländern.

Technologiewandel (Technological change (TC))

Wirtschaftliche Modelle unterscheiden autonomen (exogenen), endogenen und induzierten Technologiewandel.

Autonomer (exogener) Technologiewandel wird von außerhalb des Modells auferlegt (d. h. parametrisch), üblicherweise als Entwicklung über die Zeit, welche die Faktor- und/oder Energieproduktivität und dadurch die Energienachfrage und/oder das Wirtschaftswachstum beeinflusst.

Endogener Technologiewandel ist das Ergebnis von wirtschaftlichen Aktivitäten innerhalb des Modells (d. h. als Variable), so dass Faktorproduktivität oder die Wahl der Technologie im Modell mit einbezogen sind und die Energienachfrage und/oder das Wirtschaftswachstum beeinflussen.

Induzierter Technologiewandel unterstellt endogenen Technologiewandel, fügt jedoch weitere Änderungen hinzu, die durch Politikinstrumente und Maßnahmen induziert wurden, wie z. B. CO2-Steuern, die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auslösen. {WGIII}

Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW) (Hydrofluorocarbons (HFCs))

Eine der sechs Arten von Treibhausgasen bzw. Gruppen von Treibhausgasen, die nach dem Kyoto-Protokoll zu mindern sind. Sie werden kommerziell als Ersatz für Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) produziert. Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe werden verbreitet in der Herstellung von Kühlgeräten und Halbleitern verwendet. {WGIII} Siehe auch Globales Erwärmungspotenzial (GWP) und AR5 WGIII Anhang II 9.1 zu den GWP-Werten.

Temperaturtagesgang

Die Differenz zwischen dem Maximum und dem Minimum während einer 24-Stunden-Periode.

Thermische Ausdehnung (Thermal expansion)

Im Zusammenhang mit dem Meeresspiegel bezeichnet dies eine Volumenzunahme (und Dichteabnahme) aufgrund der Erwärmung des Wassers. Eine Erwärmung des Ozeans führt zu einer Ausdehnung des Meeresvolumens und damit zu einem Anstieg des Meeresspiegels. {WGI, II} Siehe auch Meeresspiegeländerung.

Thermische Infrarotstrahlung

Von der Erdoberfläche, der Atmosphäre und von Wolken abgegebene Strahlung. Sie ist auch als terrestrische oder langwellige Strahlung bekannt und muss von der Nahinfrarotstrahlung, die Teil des solaren Spektrums ist, unterschieden werden. Infrarotstrahlung hat im Allgemeinen ein charakteristisches Spektrum von Wellenlängen, die länger sind als die Wellenlängen der roten Farbe im sichtbaren Bereich des Spektrums. Das Spektrum der thermischen Infrarotstrahlung unterscheidet sich deutlich von der kurzwelligen oder Sonnenstrahlung aufgrund des Temperaturunterschiedes zwischen der Sonne und dem Erde/Atmosphären-System.

Top-down-Modelle

Modelle, die gesamtwirtschaftliche Theorie, ökonometrische und Optimierungstechniken anwenden, um wirtschaftliche Variablen zu aggregieren. Indem sie historische Daten über Konsum, Preise, Einkommen und Faktorenkosten nutzen, bewerten Top-down-Modelle die endgültige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sowie nach Versorgung durch die Hauptsektoren wie den Energie-, Verkehrs-, Landwirtschafts- und Industriesektor. Einige Top-down-Modelle beziehen technologische Daten mit ein und verringern dadurch die Diskrepanz zu Bottom-up-Modellen.

Tote Zonen (Dead zones)

Extrem hypoxische (d. h. sauerstoffarme) Gebiete in Ozeanen und Seen, verursacht durch eine exzessive Zuführung von Nährstoffen aus Aktivitäten des Menschen, kombiniert mit anderen Faktoren, die den Sauerstoff aufbrauchen, welcher von vielen marinen Organismen in Bodenwasser und bodennahem Wasser benötigt wird. {WGII} Siehe auch Eutrophierung.

Traditionelles Wissen (Traditional knowledge)

Das Wissen, die Erfindungen und Praktiken sowohl indigener als auch ortsansässiger Gemeinschaften weltweit, die zutiefst auf Geschichte und Erfahrung gründen. Traditionelles Wissen ist dynamisch, passt sich an Kultur- und Umweltveränderungen an und nimmt auch andere Wissensformen und Sichtweisen auf. Traditionelles Wissen wird im Allgemeinen mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Es wird oft als Synonym für indigenes Wissen, lokales Wissen oder traditionelles ökologisches Wissen verwendet. {WGII}

Trägheit

Im Zusammenhang mit Emissionsminderung bezieht sich Trägheit auf die Schwierigkeit von Änderungen, die sich aus den bestehenden Bedingungen in der Gesellschaft ergibt, z.B. physischem, von Menschenhand erzeugtem Kapital, natürlichem Kapital und gesellschaftlichem nicht-physischem Kapital, einschließlich Institutionen, Vorschriften und Normen. Bestehende Strukturen schränken Gesellschaften ein und erschweren den Wandel. Im Zusammenhang mit dem Klimasystem bezieht sich Trägheit auf die Verzögerung der Klimaänderung nach dem Auftreten eines äußeren Antriebs, und auf das Andauern einer Klimaänderung selbst nachdem der äußere Antrieb stabilisiert wurde.

Transformation (Transformation)

Eine Veränderung der fundamentalen Eigenschaften natürlicher Systeme und solcher des Menschen. {WGII}

Transformationsländer

Länder, deren Wirtschaftssysteme von Plan- auf Marktwirtschaft umgestellt werden.

Transformationspfad (Transformation pathway)

Der zeitliche Verlauf eines zur Erreichung unterschiedlicher Ziele für Treibhausgasemissionen, atmosphärische Konzentrationen oder Änderungen in der mittleren globalen Oberflächentemperatur eingeschlagenen Kurses, der eine Reihe von wirtschaftlichen, technologischen und verhaltensbezogenen Änderungen impliziert. Dies kann Änderungen dahingehend umfassen, wie Energie und Infrastruktur genutzt und produziert werden, wie mit natürlichen Ressourcen umgegangen wird und wie Institutionen eingerichtet werden, sowie in der Geschwindigkeit und der Ausrichtung von technologischem Wandel. {WGIII} Siehe auch Basis/Referenz, Emissionsszenario, Minderungsszenario, Repräsentative Konzentrationspfade (RCP) und SRES-Szenarien.

Transitorientierte Entwicklung (Transit oriented development (TOD))

Stadtentwicklung innerhalb fußläufiger Entfernung zu einer Transitstation des öffentlichen Personenverkehrs, üblicherweise dicht und gemischt, mit dem Charakter eines fußgängerfreundlichen Umfeldes. {WGIII}

Treibhauseffekt

Treibhausgase absorbieren thermische Infrarotstrahlung, die von der Erdoberfläche, von der Atmosphäre selbst durch die gleichen Gase und durch Wolken ausgestrahlt wird. Atmosphärische Strahlung wird auf alle Seiten emittiert, einschließlich nach unten zur Erdoberfläche hin. Auf diese Weise fangen die Treibhausgase Wärme im Oberflächen-Troposphären-System ein. Dies wird Treibhauseffekt genannt. Die thermische Infrarotstrahlung in der Troposphäre hängt stark von der Temperatur der Atmosphäre in der Höhe ab, in der sie ausgestrahlt wird. In der Troposphäre nimmt die Temperatur allgemein mit der Höhe ab. Tatsächlich stammt die in den Weltraum ausgestrahlte Infrarotstrahlung aus einer Höhe mit einer Temperatur von durchschnittlich -19 °C, im Gleichgewicht mit der einfallenden Netto-Sonnenstrahlung, während die Erdoberfläche auf einer viel höheren Temperatur von durchschnittlich 14 °C gehalten wird. Eine Zunahme der Treibhausgaskonzentration führt zu einer zunehmenden Undurchlässigkeit der Atmosphäre für Infrarot und somit zu einer Abstrahlung in den Weltraum aus größerer Höhe bei tieferer Temperatur. Dies verursacht einen Strahlungsantrieb, der zu einer Verstärkung des Treibhauseffektes führt, dem so genannten erhöhten Treibhauseffekt.

Treibhausgas (THG) (Greenhouse gas (GHG))

Treibhausgase sind diejenigen gasförmigen Bestandteile in der Atmosphäre, sowohl natürlichen wie anthropogenen Ursprungs, welche die Strahlung in denjenigen spezifischen Wellenlängen innerhalb des Spektrums der thermischen Infrarotstrahlung absorbieren und wieder ausstrahlen, die von der Erdoberfläche, der Atmosphäre selbst und den Wolken abgestrahlt wird. Diese Eigenschaft verursacht den Treibhauseffekt Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O), Methan (CH4) und Ozon (O3) sind die Haupttreibhausgase in der Erdatmosphäre. Außerdem gibt es eine Anzahl von ausschließlich vom Menschen produzierten Treibhausgasen in der Atmosphäre, wie die Halogenkohlenwasserstoffe und andere chlor- und bromhaltige Substanzen, die im Montreal-Protokoll behandelt werden. Neben CO2, N2O, und CH4 befasst sich das Kyoto-Protokoll mit den Treibhausgasen Schwefelhexafluorid (SF6), teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffen (HFKW) und perfluorierten Kohlenwasserstoffen (PFC). Eine Liste gut durchmischter Treibhausgase ist in AR5 WGI Tabelle 2.A.1 zu finden. {WGI, II, III}

Trend (Trend)

Der Begriff Trend bezeichnet im fünften Sachstansbericht (IPCC AR45 Climate Change 2013/14) eine Änderung, im Allgemeinen zeitlich monoton, im Wert einer Variablen. {WGI}

Tropopause (Tropopause)

Die Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre. {WGI}

Troposphäre (Troposphere)

Die unterste Schicht der Atmosphäre, von der Oberfläche bis etwa 10 km Höhe in mittleren Breiten (durchschnittlich von 9 km in hohen Breiten bis 16 km in den Tropen), in der Wolken und Wetterphänomene auftreten. In der Troposphäre nehmen die Temperaturen üblicherweise mit der Höhe ab. {WGI} Siehe auch Stratosphäre.

Tundra (Tundra)

Ein baumloses Biom, charakteristisch für polare und alpine Regionen. {WGII}